Lolita


12.November.2017

Wir wohnten damals schon eine Weile, fast ein Jahr, im Bezirk W..

Aus der alten Wohnung nehme ich die Hitze mit. Denn im Sommer fiel das Atmen schwer. Das Zimmer war zu klein gewesen für zwei Leben und doch teilten wir es durch zwei, scheiterten, wurden zu einem Körper: im Bett, sitzend auf der Couch – des Trostes bedürftig.

Wir schieden Tag und Nacht. Das blaue Laken wirkte heimisch. Die gepunkteten Bezüge galten als Zeichen des Bleibens. Der Tisch im Flur wurde von einer Kerze geschlagen. Frühstück ist Liebe.

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In W. fehlte mir auch das Fenster der alten Wohnung. Sitzend, oftmals rauchend, dachte ich nach. Zu Hause richtete ich mir ein, zu Hause, richtete sich in mir ein. Mit nackter Selbstverständlichkeit, bekleidet dahinter bloße Träume, schaute ich nach unten in den Hof. Einen Sommer lang. Einen Herbst. Einen Winter. Einen Frühling. Einen halben Sommer lang. Der trostlose, graue Hinterhof behielt Platz für Wahnsinnige, für spielende Kinder, für Kinder von Wahnsinnigen, die spielten.

Wir standen spät auf. An Erinnern werde ich damals noch nicht gedacht haben.

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Zwölf Uhr dreißig Frühstück beim Bäcker, der Kaffee und Süßspeisen beheimatete. Das erste Mal saßen wir damals im Hinterzimmer des Geschäftes. Keine geteilten Aufgaben: des Eierkochens, Einkaufens, wieder Vereinens zum Frühstück, um die Mittagszeit. Noch saßen wir da. Plauderten. Flanierten durch die Stadt, gehetzt.

Morgens wachte man auf, suchte im Anderen einen Halt. Des Ertrinkens ungewiss. Das kam später.

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Vierzehn Uhr Ankunft. Der Stuhl im Raum verhieß Buch. Die Buddenbrooks rochen modrig. Schimmelig hatte die Ausgabe den Besitzer verlassen, um nun hier gehalten zu werden. Braun-golden. Schwer gebettet, ich, in eine Decke gehüllt. Das Buch haltend, das stank.

Der Kaffee steht auf dem Tisch, im fast leeren Raum des Cafés im Bezirk P. Jetzt setze ich ihn an.

Mein Mann von damals trug die Augen offen, das Haar kraus und meistens schwarz. Um sich vom Abend zu schützen, windet sich eine schwarze Stoffjacke um den Körper. Die Kälte…

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Ein paar Stunden später. Es wird siebzehn Uhr gewesen sein. Wir fallen in ein Antiquariat, kommen drei Euro weniger, mit Lolita wieder heraus. Das Buch liegt gut in der Hand. Anderthalb Stunden später sehen wir uns die Sterne an. Mitten in der Stadt. Unter einer Kuppel.

Noch einmal blicke ich auf uns. Wir gehen quer über die Gleise. Und weil wir Teil der Galaxie sind, werden wir traurig. Keiner nimmt die Hand des anderen beim Wort.

In der Nacht wird Liebe gewesen sein.

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Lolita hat mich gelesen.

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Ich schlage das Buch zu.

Schreibe: “Ich habe dich wirklich geliebt.

Ich habe dich wirklich geliebt.

Ich habe dich wirklich.

Ich habe dich.

Ich habe.

Ich

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Damals war November.

Weiß-orange-blauer Rollkragenpullover

Ich stand an der Gedenkstätte am Mauerstreifen der ehemaligen Grenzsicherungsanlagen der DDR in Berlin in der Bernauer Straße. Ich beobachtete die Kinder, die auf dem in die Erde eingelassenem Metallstreifen wie auf einem Holzbarren spielend balancierten. Ich sah wie sie die Fußspitzen mal auf die eine Seite, mal auf die andere Seite der Sperranlage schoben, als tanzten sie darauf. Sie drehten sich auf dem Metallband um die eigene Achse, reckten die Hände in die Luft und kicherten. Die Sonne schien ihnen dabei ins Gesicht. Als sie genug von ihrem Spiel hatten, taten sie so, als hopsten sie im hohen Bogen von einer Mauerkuppe. Sie gingen in die Knie, hoben die Arme nach oben, sprangen in die Luft und auf die Pflastersteine. Die einen in den Osten, die anderen in den Westen, so wie ihnen zumute war, geradewegs in die offenen Arme ihrer Eltern. Das gefiel mir. Ich sah den Kindern mit der mir unbekannten Sprache zu und sagte zu alledem kein Wort. Ich schwieg.

Von den Kindern ermutigt, ging ich langsam auf den Mauerstreifen zu. Ich beugte meinen Kopf nach unten und sah auf das Metall, das in der Sonne gleiste und meine Augen wie einen Flutlichtstrahler, der mir ins Gesicht gerichtet wurde, blendete. Ich stellte erst den einen Fuß auf das Metall, auf dem die Kinder eben noch ausgelassen gespielt hatten und danach den anderen darauf. Ich drückte beide Füße fest auf den Streifen, um zu prüfen, ob das Metall nicht doch nachgab. Ich wippte. Mir wurde schwindlig. Für einige Sekunden blieb ich starr auf dem Metallstreifen, der die ehemalige Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik symbolisiert, stehen. Ich bekam Rückenschmerzen. Ich umgriff meinen rechten Rippenbogen. Die Rückenschmerzen nahmen zu. Ich griff nach dem Spray in der Jackentasche, das ich nach der Wende vom Arzt verordnet bekam, zog es heraus und nahm zwei Hübe. Erleichtert sah ich in die Sonne, schloss die Augen und drehte den Kopf in die Strahlen. Ich drehte den Kopf hin und her, wie ich es zwei Jahre lang wöchentlich tat, wenn ich mein gefordertes Limit erfüllt und dafür extra Zeit zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Ich setzte mich auf das Metallband und versuchte in meine mitgenommene Tüte zu atmen. Die Kinder kamen von vorn und hinten auf den Metallstreifen angestürmt und winkten mir zu, weil sie dachten, ich mache irgendwelche Kunststücke. Ich blies in die Tüte und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Die Kinder lachten und zeigten auf mich. Ich beugte mich auf, setzte einen Fuß vor den anderen und tat so, als ob ich von einer Kante stürze. Die Kinder gaben keine Ruhe, umringten mich und sprachen in verschiedenen Sprachen auf mich ein. Der anschwellende Lärm ängstigte mich. Ich senkte den Kopf nach unten und setzte mich wieder hin. Die Kinder tollten um mich herum, hoben und senkten ihre Hände im Licht der Sonne, das ihre Schatten auf mich niederprasselten. Mit einem sanften Stoß befreite ich mich aus dem Kreis ihrer Beine. Ich bewegte mich zu der rostigen Eisenwand und blieb vor der Galerie stehen. Meine Luftnot wurde nicht wirklich besser. Ich ging die metallene Galerie entlang, bis ich mich einigermaßen beruhigt hatte. Ich drehte mich zu der Wand, schaute ohne wirklich hinzusehen auf die Fotos der Männer, Frauen und Kinder und verharrte vor dem Foto eines lächelnden, schwarzhaarigen jungen Mannes im Rollkragenpullover. Das Gesicht mit den braunen Augen, den Grübchen und dem Leberfleck am Kinn war mir vertraut. Ich kannte es. Ich kannte das Lächeln und ich liebte es. Ich kannte auch den Rollkragenpullover. Dieser Pullover war diesem Mann wenigstens zwei Nummern zu groß gewesen und er meinte, dass das elende Ding sowieso nur kratzte. Dieser Pullover, den er auf dem Foto trug, war von meiner Mutter frisch gewaschen und auf die Leine gehängt, was uns damals nicht daran hinderte ihn beim Weggehen in ein anderes Land von der Leine zu nehmen und an den Rucksack zu binden, um ihn in der Nacht zu verwenden, wenn es kalt werden würde. Kalt vom Warten auf den richtgien Moment. Kalt vom Kauern im Gras. Kalt auch vor dem Unbekannten. Angst hatten wir anfangs nicht. Ich betrachtete das Foto und suchte die Stelle an der Schulter, an der der Pullover von meiner Großmutter ausgebessert wurde. An dem Tag, an dem ich ihn von der Wäscheleine nahm, wurde er vier Mal beschädigt. Nie wieder war ich diesem Mann in dem gestreiften Pullover, diesem Gesicht, dem schönen, schlanken Körper, der sich darin verbarg, so nah, wie in dieser warmen Sommernacht. Zusammengekauert, Knie an Knie, Herz an Herz, Gesicht an Gesicht. Ich weiß nicht, ob er es in dieser Nacht, in diesem Moment geahnt hatte. Diese Frage kann ich bis heute nicht beantworten. Ich weiß nicht, ob er überhaupt begriff, dass ich ohne ihn nicht weg wollte, weg konnte, das ich aber unbedingt weg musste, ich mich unter den Anderen nicht wohlfühlte, die dummen Sprüche nicht mehr ertrug und endlich frei sein wollte. Frei. Ich habe mich Abend für Abend in meiner Zelle gefragt, was passiert wäre, wenn ich ihn nicht überredet hätte. Und ich habe in den Nächten, in denen ich mich auf Zelleninsassen einlassen musste, gefragt, warum er mitging, wo er doch hätte bleiben können, er, der bei allen im Ort beliebt war, den jeder mochte, die Lehrer, die Schüler und die gut aussehenden Mädels im Besonderen. Nur in diesen Minuten, in denen die anderen in der Zelle mir ihren Rücken zudrehten und taten, als ob sie schliefen und nichts mitbekommen wollten, war ich mir absolut sicher, die Wahrheit über uns beide zu kennen. Schon als Kind spürte ich, dass er der Stärkere von uns beiden war. Ich liebte seinen Mut, seine Sportlichkeit, seine Fähigkeiten mit den Größeren aus der Schule zu wetteifern. Ich beneidete ihn dafür, dass er jeden mitreisen konnte, dass er uns zu allen Dummheiten überredete, die wir, egal, wie sie endeten, nie bereuten. Ein letztes Mal habe ich seinen Mut gespürt, als er sich im Scheinwerferlicht vor mich warf, mein Gesicht mit seinen Händen berührte, mein Kopf fest an sein Gesicht drückte und im Lichtkegel mehrerer Scheinwerfer küsste und danach wie in einem amerikanischen Schwarz-Weiß-Film die Augen schloss und die Arme seitwärts auf meine Beine fallen ließ. Den zusammengeknüllten Zettel, den er in meine Hand schob, verscharrte ich mit den Fuß und versuchte mir die Stelle mit einem in die Erde aufgemalten X einzuprägen, während die Grenzposten auf uns einprügelten, auf seinen leblosen Körper ebenso wie auf meinen zusammengekauerten. Was auf dem karierten Zettel stand, werde ich nie erfahren. Deswegen bin ich wohl jetzt auch wieder hier bei Ihnen? Ich weiß, seit Jahren sagen Sie mir immer wieder, dass ich mich vom Mauerstreifen fernhalten soll, dass ich aus dieser imaginären Rolle heraustreten muss, dass ich stattdessen einen eigenen Zettel beschreiben soll. Sie sagen das so, als wäre es ein Kinderspiel, Verantwortung für sich, für diese Nacht und für ihn zu übernehmen, wo es doch die DDR gab.

Was ich Ihnen noch nicht erzählt habe. Die Kinder kamen zurück und umringten mich. Sie lächelten und sahen auf das Foto des jungen Mannes mit dem weiß-orange-blau gestreiften Rollkragenpullover. Sie tapsten mit ihren schmutzigen Fingern auf das Foto und kicherten, dass ich für einen Moment wütend wurde. Ungeduldig zogen sie mich an der Hand und führten mich an genau jene Stelle, an der ich in die Tüte geblasen hatte und an der ich so tat, als ob ich von der Mauerkuppe in die Tiefe stürzte. Sie streckten ihre Köpfe ungeduldig zu mir hoch und sahen mich fragend an. Ich wusste nicht, was ich ihnen sagen sollte und schwieg. Ich nahm meine Tüte, die ich stets bei mir trage und machte das, was ich immer mache: Grimassen. Das habe ich Ihnen beim letzten Besuch auch schon erzählt? Entschuldigen Sie bitte.

Unbekannt

Freund, mir unbekannt,

reichen die Tränken,

um zu dürsten?

Freund, uns unbekannt,

stehen die Bäche noch auf Abwegen?

Der Regen fällt den Fremden,

die Sonne bricht sein Haar,

die Liebe weiß, dass er weiß:

doch spricht es nicht aus.

Freund, sich unbekannt,

rennen die Frösche noch

vom Himmel auf Erden?

Freund, sich unbekannt,

langen mit großen Armen die Kälber hinüber

zu dir, um zu wissen das Gras?


Freund, sich unbekannt,

unter warmen Betten,

reicht da dein Herz?

Bist nicht längst du abhanden gekommen

dem Allen – bist nicht längst du

fragil und schadvoll gewesen?

Schambehaftet und sorgengetränkt

schickt einer Worte deiner Antwort zu.

Du, Freundunbekannt,

weißt noch nicht,

dass die Zeiger keine sind,

die Bilder nicht mehr werden:

dass wir auf Erden vergessen

und ungelenk

der Freiheit entgegenschweren.

Babett


Lieben. Begehren. Anfassen. Atmen. An Lust saugen, tauchen und verschwinden.

Fliegen wollen, töten mit Verrat und getötet haben (mittels Gefühls).

Er telefonierte wie wild, um sein Geld zu verdienen. Verdiente er es? Er wusste es nicht, zum Schluss stumpfte er ab, als lebe er ewig, habe schon ewig gelebt. Vielleicht hatte er sie alle erlebt, jede einzelne, verführt in einem Traum auf dem weißen Pferd. Verdient hatte er das Geld für die Frauen. Bezahlte: mit einem Scheck, mit einer Rechnung, einem Telefonat. Eines Morgens wach: die Frist sei vorbei. Schluss mit lustig. Ende im Gelände.

Er ertug seinen Körper in Creme, trug seine Hosen in Schweiß und zerfraß seine Fragen ohne Würde.

Babett, er hatte sie geliebt… schwarzes Haar, dicklich, oder vielleicht nicht dicklich, rund, weiblich, ja feminin und schön, für ihn war sie schön, sehr schön, doch er hatte sie auch nur ein Jahr gekannt. Ein Jahr ist lang genug, um sich daran zu erinnern. Nach einem Streit, es kann sein, vielleicht hätte er sie nicht mehr so schön gefunden, oder er hätte sie noch mehr begehrt und dann… ganz einfach, von einem Tag auf den anderen, Schluss, das war’s, du bist mir zu nah… er hatte es sich einfach gemacht. Liebe schon einmal vor, ich liebe dann nach. Oder brauche mich schon mal warm, ich bleibe dann gebraucht und brauche dich in einem Jahr umso mehr. DANN schrien sie: dann und dann und dann. Sie wusste nicht, dass der Held am Ende stets glorreich seine Beute erlegt. Ein funkelnder Star, ein Massen verzaubernder ( wie eine schöne grelle Werbetafel).

Trotz der müden Augen geliebt werden wärmt, rettet… nicht? Liebe rettet!

Er stopfte seine Erinnerungen in den Staub seiner Asche links neben den Taschentüchern. Und Gott war er schön. Immer schon. Vor allem in dem Jahr mit der Babett. Er war schön, cool, elegant, männlich. Unnahbar wie Marlboro-Pferde-Reiter.

Babett. Mit Babett war es komisch anders. Diese mollige Traumfrau in spe, mit der konnte man wirklich mehr haben. So sagt man ja, in der Liebe will man alles vom andern. Und viel war sie. Sie liebte ihn, dachte aus ihm heraus und fragte für ihn nach ihm alles. Wer warst du, warum warst du wie du warst? Aber merk dir das.

Einmal Sex und die Liebe ist vorbei.

Alles, außer AfD

Siebzehn Uhr vierzig. Ich habe noch Zwanzig Minuten Zeit. Diese Wahlliste ist heute wieder besonders lang. Der Tisch reicht gar nicht aus. Namen über Namen über Namen und kein Schwein kennt sie. Am liebsten möchte ich den Schein zerreißen. Bloß, wohin mit den Papierschnipseln? Ich muss doch mit irgendetwas aus der Kabine rauskommen. Und was sage ich dann den anderen? Dass ich Wahlscheine… durchstreiche… das weiß doch keiner. Schließlich ist es eine geheime Wahl. Früher, da habe ich beim Wählen vorsichtig an die Decke gesehen, unter den Tisch gegriffen, ob da nicht doch irgendwo eine Kamera heimlich versteckt ist, bevor ich alles aus Frust durchgestrichen habe. Einmal, als ich wieder in eine dieser sinnlosen Endlos-Umschulungsmaßnamen gesteckt wurde und die junge Göre mit der Strähnchenfrisur mir wochenlang erst kein und dann ein viel zu geringes Übergangsgeld berechnete, habe ich auf dem Zettel alles durchgekrakelt und JAQUELINE NAGLER IST EINE DOOFE, UMSCHULUNGSWÜTIGE UND DAZU NOCH RECHENSCHWACHE ZIEGE draufgeschrieben. Das muss sehr geräuschvoll gewesen sein, denn einer aus der Nachbarkabine fragte mich lauthals, warum ich überhaupt wählen gehe, wenn ich doch sowieso die Kandidaten allesamt nur durchstreiche. Mann!, war mir das peinlich. Zu Honeckers Zeiten wäre ich dafür bestimmt abgeholt worden. Jetzt weiß ich noch nicht, wen ich dieses Mal von den verlogenen Politikern wählen soll. Wie lange bin ich hier? Siebzehn Uhr vierundvierzig. Vier Minuten? Alles i.O. Die Uhr ist ein Hochzeitsgeschenk von Babette und das Einzige, was mir von ihr geblieben ist. Kandidaten über Kandidaten, eine endlose Reihe von Politikernamen. Was haben wir hier? SPD? Da weiß ich schon lange nicht mehr, wofür diese Partei überhaupt noch steht mit ihrem ständig wechselnden Partei-Vorsitzenden. Mit dem Harz IV war meine Babette weg. Erst hatte meine Frau NPD gewählt, da habe ich getobt und gefragt, ob sie vom Antifaschismus noch nie etwas gehört hätte und das mein Opa bei den Nazis gesessen hat. Kurze Zeit später hat sie durch meinen Cousin Ronny, der mit so einer aufgetakelten älteren, völlig zugeschminkten Abteilungsleiterin vom Arbeitsamt rumachte und dadurch stets in Ruhe gelassen wurde, eine Anstellung in Probe im Grundbuchamt bekommen. Urplötzlich hat sie nicht mehr NPD, sondern abwechselnd PDS und SPD gewählt. Da hätte sie auch gleich wieder die SED wählen können… Als sie stellvertretende Abteilungsleiterin wurde, wählte sie über Nacht die CDU. Und jetzt, wo sie zur Abteilungsleiterin aufgestiegen ist und sich so ´ne teure Elektrokarre leisten kann und mit dem Regionalleiter aus dem Westen zusammen ist, kauft sie nur noch Biogelumpe bei REWE und wählt Grün. Grün muss man sich erst einmal leisten können, sage ich immer zu meinen Kumpels. Grün kostet Geld. Grün gibt’s nicht umsonst. Babette kann froh sein, dass das damals geheime Wahlen waren, sonst wäre sie ihren Abteilungsleiterposten wegen ihrer NPD-Stimme ganz schnell wieder losgeworden. Apropos CDU? Die ist doch eher etwas für ältere Abteilungsleiter, die aus dem golden Westen kommen. Zudem ist die Merkel doch fast so lange dran wie zu unserer Zeit der Honecker. Und die FDP? Der Lindner in seinen schweineteuren Anzügen, seiner Haarverpflanzungsmacke, den Strähnchen und dem Privatisierungsfimmel nützt mir nichts. Mit meiner Glatze würde ich in dieser Partei der Vollhaaridioten auffallen. Dann doch eher Die Linke? Die sind für mehr Grundsicherung, mehr Rente, mehr Arbeitslosengeld, mehr, was- weiß-ich-was. Aber davon ist bei mir noch nichts angekommen, außer, dass sie die Wagenknecht rausgeschmissen haben. Was haben wir hier noch auf dem Zettel? AfD? Naja, ne, die AfD kommt für mich eigentlich nicht wirklich in Frage. Die habe ich schon beim letzten Mal nicht wirklich gewollt. Durchgelesen habe ich mir ihr Programm… ein… zweimal vor dem Schlafengehen. Interessehalber. Man hört ja so einiges, und da dachte ich mir… du liest dir das mal genau durch. Schaden kann´s nicht. Schlechter kann dir danach nicht gehen… Mutig sind sie, das muss man ihnen lassen. Obwohl sie niedergeschrien werden, ihnen das Wort in jeder Fernsehsendung abgeschnitten wird, schaffen sie es immer wieder doch ihre Meinung zu sagen. Naja, also, der Höcke ist ´ne Zumutung, das gebe ich als antifaschistischer Enkel zu, das… das geht dann wirklich zu weit. Und die Weidel mit ihrer AfD-typischen Perlenkette, ihrem Zopf und ihren überlangen Hemdkragen, ist auch völlig daneben. Ich habe wirklich nichts, nichts  gegen Lesben… aber früher gab´s so etwas noch nicht… Die Storch, die immer so verprügelt in die Kamera schielt, mit der Forderung zur Not die Flüchtlingskinder an der Grenze niederzuknallen, als ich das gehört habe… Das will doch kein vernünftiger Mensch. Trotzdem, ich könnte jetzt hier… reineweg ausversehen…  mein Kreuz… auf ihren Kreis… setzten, so wie damals meine Babett bei der NPD… und keine Sau wird´s jemals merken. Ist doch alles geheim. Kamera..?, ne, sehe ich nicht. Das ist der unbestreitbare Vorteil einer geheimen Wahl. Nicht wie bei Erich. Was sagt die Uhr? Wie lange bin ich hier? Siebzehn Uhr achtundvierzig. Schon acht Minuten vergangen? Ach Gott. Babettes Uhr funktioniert immer noch tadellos. Das muss man ihr lassen, gekauft hat sie immer nur die guten Dinge. Ein Händchen hatte die und war stets modisch gekleidet. Nun gut, dafür habe ich ja auch `ne Menge Überstunden gemacht. Nein, nein, meine Stimme bekommen die von der AfD nicht. Etwas wirklich zu bieten haben die nicht. Und Arbeitslosengeld zu privatisieren, das bekommt nicht mal die FDP hin. Hm, wem gebe ich sie denn nun? Ich kann doch nicht schon wieder aus der Kabine rausgehen ohne gewählt zu haben. Das geht doch nicht! Das habe ich früher mal gemacht. Davon ging mein Mindestlohn auch nicht weg. Den Zettel durchkrakeln, Gesichter draufmalen, wieder einen fetten, ekeligen Popel aus der Nase ziehen und ihn quer über die Zeilen schmieren, allen Kandidaten ein Kreuz verpassen, ein eigenes Parteiprogramm dranklippen… das hat mir nur in diesen Sekunden unendlichen Spaß gemacht. Geholfen hat es mir überhaupt nicht. Mein Gott, früher da war das irgendwie alles einfacher. Bei Honecker sowieso. Und nach der Wende da haben sich die Parteien wenigstens unterschieden, da hatte ich Hoffnung. Die überschlugen sich förmlich mit Visionen. Da machte es Riesenspaß, mal den einen, mal den anderen zu wählen, um eine Veränderung zu erreichen. Nach der Wende, da war ich so glücklich, dass meine Stimme endlich richtig gezählt wurde, da habe ich die Nacht vorher nicht richtig schlafen können, mich im Bett rumgewälzt, mit Babette rumdiskutiert, mit ihr Pläne geschmiedet, dass wir erst eine kleine Firma für mich und dann eine Firma für sie aufmachen werden, in eine schöne, schicke neue Wohnung ziehen, dann vielleicht ein Haus kaufen und um die Welt reisen und uns dann im Alter in Mallorca oder Frankreich niederlassen. Darüber hatten wir uns so heftig gestritten, dass wir tagelang nicht miteinander sprachen, bis ich dann wie immer nachgab und mit ihr nach Mallorca ziehen wollte. Zur ersten Wahl bin ich allen Ernstes im Jugendweihanzug gestolpert. Man musste ja dem Tag gemäß gekleidet sein, hieß es bei Honecker. Früher, ja früher, da war ich so aufgeregt, dass die im Wahllokal dachten, ich habe etwas getrunken. Die haben einfach nicht kapiert, dass ich unendlich glücklich war. Wir dachten ja alle, dass der Honecker und das Politbüro und die Mauer bis in alle Ewigkeit bleiben. Am Wahlabend bin ich mit dem Radio wie ein durchgeknallter Jugendlicher in der Altbauwohnung rumgerannt und habe Nachrichten auf allen Kanälen gesehen, sogar die Aktuelle Kamera verfolgt. Der Fernseher lief und lief und meine Babette fragte, ob sie die Stromrechnung gleich vom Kneipengeld abziehen soll. Wen ich damals gewählt habe… natürlich die Grünen. Unser Land war damals ökologisch tot. Später hing meine Wahl von den jeweiligen Arbeitsstellen, den Befristungen und den Löhnen ab. Schluss damit. Ich fasele hier vor mich hin. Früher, das war gestern. Basta! Wie lange bin ich hier? Oh Gott, siebzehn Uhr dreiundfünfzig. Dreizehn Minuten! Wem gebe ich denn nun mein verflixtes Kreuz? Das sich noch keiner beschwert hat, dass ich hier so lange sitze. Bei Erich wärs das mit der Karriere gewesen. Also, die AfD, mit ihren Ansichten zu Klimaschutz, zu völlig übertriebener Homosexuellen- und Lesbenwerbung an Schulen und zu straffällig gewordenen Ausländern sind für mich irgendwie… zumindest teilweise nachvollziehbar, obwohl ich selber noch nie Probleme mit solchen Leuten hatte, da ich keinen persönlich kenne. Im Gegensatz zu den Grünen kann man sich die AfD aber leisten. Die Kinder, die am Freitag auf die Straße gehen, haben noch nie auf etwas verzichten müssen. Ich schon. Jahrelang. Und den nächsten Urlaub verbringen die sicherlich mit Mama und Papa in der Karibik und knipsen tausende Fotos mit ihren gigantisch großen Handys, die sie dann sinnlos in die Welt schicken. Namen, Namen, Namen. Ist denn nicht irgendeiner für mich dabei? Gar nichts? Irgendetwas auf dem Wahlzettel muss doch mein Leben betreffen. Ich habe doch alles gemacht, was man von mir verlangt hat. Erst Schule, Junge Pioniere, FDJ, dann Armee, Tischler, dann Industriemeister, danach Fach-Ingenieursstudium. Nebenbei Altbauwohnung ausbebaut und Familie großgezogen. Ich bin mehrfach ausgezeichnet worden. Ich war immer ein Vorbild der Gesellschaft. Und schwuppdiwupp wurden nach Artikel soundso des Einigungsvertrages meine beiden Abschlüsse, alles, was ich geleistet habe, im goldenen Westen plötzlich nicht mehr anerkannt. Der verdammte Einigungsvertrag hat solche wie mich verraten. Klammheimlich. Einfach so. Und ich habe zu all dem Scheiß noch gejubelt, die Deutschlandfahne in Leipzig geschwungen und mich über die 6.000 DM gefreut, die ich 1 zu 1 umtauschen durfte. Fix einen Artikel geschrieben und schon gibt’s mich und meine Berufe nicht mehr. „Darf man das?“, habe ich die vom Amt gefragt. „Jawohl!“ So eine Sauerei kann man mit mir, mit uns doch nicht machen. Erst meine Arbeitsstelle weg, dann Babettes Laden zu. Das Arbeitsamt meinte, vom Prinzip sei ich ein Ungelernter und hätte mich still zu verhalten, denn ich sei ja schließlich Gewinner des wiedervereinigten Landes. Ich kenne eine Menge Leute im Osten, denen es auch so geht. Das sind die Fachschul-Ingenieure, die jetzt mit dem Herrn Gauland sympathisieren, oder ihm zumindest heimlich Erfolg wünschen, damit die Großparteien endlich eine saftige Abreibung bekommen. Ich kenne aber auch ´ne Menge, die die AfD nur wählen, weil sie damit endlich erreichen wollen, dass die Parteien sich endlich um uns kleine Leute kümmern. Nicht, dass diese Leute rechts sind, dass ich rechts wäre. Nein, nein, ich bin nicht rechts. Überhaupt nicht. Das bin ich nicht! Ich bin nur… nur nicht zufrieden. Ich merke, dass es überhaupt nicht weitergeht. Ich bin den Parteien scheißegal. Dass das keiner verstehen will. Ich denke… ich meine… würden nur ausreichend Leute die wählen, dann würden sich vielleicht die anderen Parteien, die ich alle mal gewählt habe… anstrengen und ich würde endlich aus dem verkackten Mindestlohn rauskommen, vielleicht meinen DDR -Abschluss wiederbekommen. Ich will ja gar nicht mehr als Ingenieur arbeiten, das würde ich sowieso nicht mehr packen… aber zumindest anerkannt werden, wieder anerkannt durch die Straßen gehen, „Guten Tag!“, sagen können, „Ich habe ein Fachschulstudium hinter mir, ich bin nicht ungelernt, Frau Nagler!“ Das, das wäre doch toll. Aus der ofenbeheizten Wohnung im vierten Stock, die ich vor über dreißig Jahren ausgebaut habe, würde ich auch gern endlich rauswollen. Mit 55 findet man die 86 Stufen auch nicht mehr prickelnd. Nur einen neuen Mietvertrag, kann ich mir doch im Moment gar nicht leisten. Und dass Babette wiederkommt, glaube ich schon lange nicht mehr, die bleibt bei ihrem reichen Wessi. Ich muss eher aufpassen, dass unsere Carola nicht Drüben bleibt. Dann bin ich ganz allein. Vom Prinzip her würde ich die AfD niemals wählen. Niemals. Aber vielleicht tut es ein anderer… Es gibt doch noch mehr Unzufriedene. Wie lange bin ich hier? Siebzehn Uhr achtundfünfzig. Achtzehn Minuten. Oh Gott. Wo verdammt noch mal setzte ich jetzt das verflixte Kreuz hin? Ich habe ja nur die eine Stimme. Dafür bin ich doch 89´ auf die Straße gegangen. Dafür wurde ich vorgeladen… Klärung eines Sachverhaltes. Dafür habe ich mich mit meinen linientreuen Eltern, meinem Bruder und der knallroten Tante verstritten. Was soll ich jetzt ankreuzen? Linke? In der PDS war ich ´ne Zeit lang und auch in der… DSU. Hat alles nicht mein Leben verändert. Ich war bereit! Ich bin immer noch bereit! Wie lange bin ich hier? Siebzehn Uhr neunundfünfzig. Neunzehn Minuten. Ach, herrjeh. Neunzehn Minuten! Ich muss mich entscheiden.

Bitte kommen Sie zum Ende, das Wahlbüro schließt um Achtzehn Uhr.

Soll ich, oder soll ich nicht? Wäre ich nur heute nicht hergekommen. Ich hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl in meinem Jugendweihanzug hier noch einmal anzutanzen. Ich gehöre einfach nicht in diese Future-und-noch-was-Zeit, wo alles möglich sein soll und ich nicht begreife, was das bitteschön sein soll und wie man das macht, wo mich doch keiner will. Mich hier. Ich sitze hier seit Neunzehn Minuten, seit neunzehn… seit… Jahren und warte, warte, tagein-tagaus. Wenn es mir nicht zu blöd wäre, würde ich zugeben, dass… dass… dass irgendwer Fremdes jetzt meine Hand nehmen soll, um das verflixte Kreuz zu machen. Das, das kann ich nur keinem sagen. Wem denn? Ich hoffe, dass wenigstens die anderen die richtige Entscheidung treffen.

Wenn einer in ein neues Jahr geht

(nach Ingeborg Bachmann „Das dreißigste Jahr“)

Du bist eine neue Seite, darauf

schreibe ich das Wort:

Fügung.



Du stehst deine weiße Fläche,

auf der ich sicher versichere:

Neigung.



Du vergisst die Leerstellen nicht,

in denen ich schweige:

.



Wenn einer in ein neues Jahr geht,

so geht er hinein gebrochen.

Wochen brechen Knochen auf,

jede Woche bricht ein anderer.



So segnet die neue Zeit

den alten Menschen:

ich räche dich wie ich

einen Stern rächen würde:

zahm.



Die Blitze breche ich

auf dieser Fläche. Mit

einem Fuße lahm.

Die Toten beklage ich

ein Jahrhundert später.

Das Wetter reiße ich entzwei.

Die Gewitter lass ich übrig

und

spreche von jener höchsten Stund –

bevor ich in die Flammen steche



gezittert,

gezähmt –



dein Mund.

hier welkt nichts

es gibt kein entrinnen.

nicht heute. nicht morgen.

auch übermorgen, stößt es mich

blindlings die straße hinunter.

vergangen sind stunden,

vergangen sind tage,

monate, sogar zwei jahre.

linkes bein, rechtes bein, kann so schwer nicht sein.

und doch ist der weg voller steine, untiefen.

es blöken die schafe und trübt sich der blick,

rosten die mohnblumen mitten im feldesschutt.

kornblumen, die garben, es nicken die disteln.

butter bei die blumen. es wiegen die quecken sich hier und da.

die mauer bröckelt.

die kannen sind leer.

doch mein herz ist noch voller

tränen. heute. morgen.

über-

Mein marineblaues Motorrad

Alles abgenutzter Autoschrott. Benjamin bescheißt besonders bei Bauteilen, beispielsweise bei billigen Bremsbelägen. Chaotischer Chassisaufbau; charakterloser Charmebomber. Der denkt doch, der darf da drüben am Dorfrand dreckige Droschken demontieren. Einfach eklig, eher einen eigenen Ersatzteilshop eröffnen. Feurig-farbige Frontscheinwerfer fürs fetzige Fahrvergnügen (gehören dann auch dazu)

Gestern bei Gintonic gestenreich die Geldmenge eines eigenen Ersatzteilladens ausführlich analysiert. Henriette hat erst heißen Honigtee hastig heruntergeschlüft, dann gestaunt, aber hinterher herzhaft gelacht. Hässliche herrische Blondine. Die hätte die Ersatzteilfrage auch ein bissel ernster abhandeln dürfen. Im Interesse aller homosexuellen Fahrer habe ich fest in Henriettes hellblaue, geldgierig glänzenden Augen gesehen. Jemine, die hat aber affig geguckt. Geizig ist die geworden! Jahrein, jahraus juchtelt die mit der ewig jammernden Jeanine aus Jux ins Illertal. Just dieses Jahr im Juli. „Könnt ihr komischen Kerle euch das kein bissel in die Kalender krakeln“, kreischte Janine „für Ersatzteile habe ich derzeit keinen Kopf!“

Leider, leider hat keiner der Jungs im Leisesten Interesse an dem langweiligen Illertal. Lieber fahre ich allein durchs Land, besuche leidenschaftliche Liebhaber. Mir ist das alles im Grunde genommen egal. Mein marineblaues modernes Motorrad macht mindestens hundert km/h. Nur noch Nachbesserungen an den Nocken, danach ist alles nigelnagelneu. Oktober ordere ich noch das Ölpapier aus Øresund für die Ersatzteile. Problemlos per Postanweisung oder per PayPal blechen. Perfekt. Qualität geht mir nämlich über alles. Quälereien mit qualitativ minderwertigem Quatsch, mag ich nicht. Ein Quäntchen Glück braucht man aber heutzutage bei den Bestellungen.

Regelmäßiges Reinigen, rät Ron, ist jedoch immer noch die allerbeste Medizin für eine richtig rassige Rennkarre; dann kann einem rein rechnerisch im Grunde genommen auch absolut nichts passieren. Sonst sehe ich sekundenlang silberfarbene Sternchen schwirren, Schnuppen schweben, Schweife schwingen. Seit Sizilien im letzten Jahr schaue ich mich gründlich um, bevor ich abbiege. Tatsächlich trainiere ich den Schulterblick seit dem tragischen Tag, theoretisch genommen, tagein, tagaus. Und untertourig fahre ich seit dem auch nicht mehr. Verkehrstechnisch sollte ich mich vielleicht auch vielmehr auf den Staumeldefunk verlassen. Vielleicht fahre ich dann erstmals unfallfrei. Wenn wirklich wieder Wahnsinnsstau werden sollte, fahre ich eben in meiner neuen Wolljacke im Winterurlaub Waldwandern. Xaver von Xanten begleitet mich und wir hören auf der Fahrt die neue Mucke von Xatar oder Xavier Naidoo oder überprüfen bei XING schnell mal unser Profil und hantieren stundenlang auf dem Rastplatz mit meiner nagelneuen Xbox. Yin checkend, Yanswurzel rauchend und auf meiner Yamaha Yuccapalmen träumen, könnte ich dann auch zu genüge.  Zur Zeit zieht mich aber eine zähe Zettelwirtschaft runter, die mich zu zermürben droht und mir ziemlich zu schaffen macht.

Was will ich da mit meinem attraktiven Albert oder dem xenophoben Xaver, wenn ich kein kleinwenig Zeit zu verspüren glaube und mich stattdessen schier in unendlich unergründlichen und zudem zusätzlich auch anstrengenden Alliterationen vielsagend verirre.

Gewürzgurken

Es ist kann nicht meine Aufgabe sein, diese Entscheidung in Frage zu stellen. Meine Arbeit ist es lediglich, die Entscheidung, die das Gericht nach sozialistischen Normen gewissenhaft geprüft hat, schnell und präzise umzusetzen. Eigentlich können die sich gar nicht beschweren. Ich bin leise, halte den Atem kurz an, dass sie mich nicht bemerken, strecke meine Hand lautlos in ihre Richtung aus… und ehe sie das von mir angewärmte Metall spüren, führe ich den mir gestellten Auftrag im Bruchteil einer Sekunde aus. Nicht einmal Parfüm oder Seife verwende ich an solch einem Tag wie heute, damit die nicht bemerken, dass…

Dafür, dass so einer schwerste Verbrechen an unserem sozialistischen Staat begangen hat, bekommt er einen milden… Ich habe Leute schon ganz anders sterben sehen… durch das Fallbeil z.B. Dass Geschrei, der sinnlose Kampf, das Aufbäumen des Oberkörpers. Was für eine Kraft die entwickeln können. Da haben selbst drei geübte Männer zu tun, so einen zu bändigen, damit… Man glaubt das nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Die schütteln den Kopf, bäumen den Körper hin und her, als ob sie den Nacken damit schützen könnten… Es hat früher eine Menge Kraft gekostet, bis wir so einen Verräter mit dem Lederriemen festgebunden… und bis es dann endlich erledigt war. Da sind die Schädlinge an unserer großen sozialistischen Sache doch heutzutage gut bedient. Kurz und schmerzlos. Meine Mutter zum Beispiel, die war eine wahrhaft tapfere Kommunistin der ersten Stunde und musste so früh und jämmerlich sterben… Das hat ein ganzes Jahr gedauert. Oder auch unsere Nachbarin, die arme Frau Tretter, eine Seele von einer Frau, die brachte uns im Herbst gläserweise Marmelade und ihre selbst gemachten knackigen Gewürzgurken in unsere Mansardenwohnung. Das Gurkenrezept haben wir beim Aufräumen ihrer Wohnung gefunden. Seitdem weckt meine Frau Jahr für Jahr nach genau diesem Rezept die Gurken ein. Am liebsten würde ich jetzt… irgendwie bekomme ich beim Warten Appetit auf die Gurken… und danach genüsslich eine rauchen. Ich höre noch keine Schritte. Wenn ich hier unten im Dunkeln in dem kalten Raum stehe und warte, kommt man auf solche Gedanken. Manchmal mache ich mir Gedanken, was so ein gewissenloses Subjekt antreibt. Eigentlich darf ich das nicht, aber manchmal, da denke ich über den Delinquenten nach, was das für einer ist, z. B. sein Gesicht, seine Stimme, ob er Familie hat, ob er Kinder hat, ob er auch einen Garten besitzt mit Gurkenbeet, ob er z.B. einen Hund, wie meinen Rocco hat, und was einen Faschistischen Saboteur wie ihn dazu antreibt, unser schöne Heimat mit Anschlägen zerstören zu wollen, was so einer überhaupt denkt, wenn er… ich meine, denkt er wirklich allen Ernstes, er kann unseren ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden einfach so an den Imperialismus, an den Westen verraten. Wir sind schon mit ganz anderen fertig geworden, mit ganz, ganz anderen. In der Zeitung liest man nichts, von dem, was ich hier… im Dunkeln… Das will meine Partei wegen der Hetze der amerikanisch gesteuerten Auslandspresse nicht. Ich, ich würde das auf der ersten Seite in knallroten Buchstaben verkünden. Für alle in der Welt gut sichtbar. Alle sollen wissen, was mit Spionen und Saboteuren bei uns passiert. Mein Vorgesetzter schrie mich vor Jahren an, als ich ihn fragte, was für einen Saboteur denn ich..: „Fange bloß nicht damit an, dir die Schweine vorzustellen. Das sind Verräter, alles vaterlandslose Verräter, die uns, die dich, teurer Genosse, die deine Familie, Freunde, die alles woran wir glauben und wofür wir gekämpft und wofür wir teuer gelitten haben, an den Imperialismus verraten wollen. Alles Konterrevolutionäre! Da darf man kein Mitleid haben, da darfst Du, standhafter Genosse, kein Mitleid zeigen. Die hatten früher auch kein Mitleid mit uns. Mitleid ist Konterrevolution. Hörst du, Genosse, Konterrevolution!“ Nein, Mitleid hatte ich noch nie mit solchen Elementen, es ist nur manchmal so etwas wie… wie Neugierde hier unten im Dunkeln, weiter, weiter nichts. Wirklich nichts. Ich weiß nicht, woran ich denken soll. Rauchen darf ich ja nicht. Nur so dastehen und warten, warten und an nichts denken, bis der Delinquent seine letzten Zeilen im Nebenraum geschrieben hat, die sowieso niemand zu lesen bekommt, warten, warten bis er endlich irgendwann hier ahnungslos reinspaziert kommt, das geht bei mir nicht immer. Aufgeregt bin ich nicht. Aufgeregt, das war ich vielleicht früher, ganz früher, am Anfang. Am Anfang, da ist man ja immer aufgeregt. Das geht Jedem so. Jetzt ist es nur noch Neugierde, Zeitvertreib, die ich mir mit ein, zwei Schlucken vertreibe… Wo hab ich sie? Hier… Schon am Abend fülle ich mir mein Flachmännchen ab, damit ich es auf keinen Fall vergesse. Alles Griffbereit. Gut. Wo war ich stehen geblieben? Vom Prinzip her ist es doch eine Gnade so schnell und unproblematisch für Verbrechen gegen die Werktätigen des Sozialismus abgeurteilt zu werden. Es ist ein Geschenk. Jawohl, ein Geschenk. Ich weiß nicht, wie das bei mir mal werden wird, wie lange ich… ich meine, brauchen werde. Ich habe darüber schon oft nachgedacht. Also, bei mir muss es auch schnell gehen. Wobei ich immer noch der Meinung bin, 100 Jahre Gulag wären für die hinterhältigen Agenten des Imperialismus eine mehr als gerechte Strafe. Aber nach den Grundsätzen der sozialistischen Gerechtigkeit, hat unser Strafgesetzbuch in § 60, Abs1 ein viel zu mildes Aburteilen vorgesehen: den Tod durch Erschießen. Nahschuss in das Hinterhaupt des Delinquenten, heißt es im Text. Wie gesagt früher, da war das Hinrichten noch ein wirkliches Hinrichten, das der Verbrecher mitbekam. Da stand er mir gegenüber, von Angesicht zu Angesicht. Er musste in meine Augen sehen und ich in seine. In diesem Moment musste er sich entscheiden, ob er z. B. Theater machen und rumzappeln wollte,  oder ob er z. B. eine Memme sein wollte und sich in die Hosen pisste, oder ob er z. B. mit seinen konterrevolutionären Sprüchen uns ein letztes Mal beeindrucken und mit seinem Freiheitsgefasel in unsere Arbeit reinreden wollte. Mein Gott, die konnten zum Schluss diskutieren, als ob sie damit bei mir eine Chance gehabt hätten. Am liebsten, am liebsten waren mir die Stillen, die sofort begriffen, dass… Manchmal grinste mich z. B. einer einfach nur an. So etwas konnte ich auf den Tod nicht leiden, weil mich ihr dummes Grinsen zu Hause nicht losließ, weil ich dieses Grinsen tagelang sah. Ich habe bis heute nicht begriffen, warum ein Verräter grinst. Kapitalistische Saboteure. Provozieren bis zum Schluss. Wenn ich ehrlich bin, hinter das Grinsen bin ich auch heute noch nicht gekommen, egal wie sehr ich darüber nachdenke. Und mit jemanden darüber reden, darf ich nicht. Da hat es doch sein Gutes, dass unsere große Partei-und Staatsführung aus humanen Gründen den Nahschuss für solche Verräter vorsieht und ich ihr Grinsen nicht mehr ansehen muss. Wie sagte der Staatsanwalt nach meiner ersten Exekution zu mir: „Genosse, indem die Todesstrafe der Sicherung und dem zuverlässigen Schutz unseres souveränen sozialistischen Staates, der Erhaltung des Friedens und dem Leben der Bürger dient, trägt sie einen zutiefst humanistischen Charakter.“ Recht hat er! Ich glaube, jetzt kommen sie.

Jedes Mal bleibt der Staatanwalt unmittelbar auf der anderen Seite der Tür stehen und verkündet, dass das Gnadengesuch vom Staatsratsvorsitzendem der DDR abgelehnt wurde. Ich höre ihn durch die Tür sprechen: „Wenn Sie noch etwas zu sagen haben, dann sagen Sie es jetzt!“ Vielleicht ist es gut so, dass ich das Gesicht nicht zu sehen bekomme. Diese Personen haben hier vor mir ihre Persönlichkeit für immer verspielt, sie sind Verurteilte und ich habe den Auftrag ihre Aburteilung vorzunehmen, sobald sie diesen Raum betreten. Alles andere ist dann nicht mehr meine Sache. Die heimliche Entsorgung und Verbrennung auf den Südfriedhof als anatomischen Sondermüll übernehmen die Genossen des MfS. Ich führe die Sache aus, bekomme die vereinbarten 150 Mark und habe für den Rest des Tages frei. Offiziell heißt es für die Kollegen im Strafvollzug, dass ich einen Sozialistischer Spezialauftrag habe oder dass ich krankgeschrieben bin. Nicht einmal meine Frau weiß, dass ich jetzt hier stehe, die müsste jetzt auf dem Weg zur Arbeit sein. Nein, nein, das ist ganz allein eine Sache zwischen mir, meiner Partei, der Großen Sache, dem Verräter und den zwei Wärtern, die mit ihm vor der Tür stehen. Wenn alles reibungslos abläuft, schließen sie mit Schlüsselrasseln auf, um mich vorzuwarnen, stoßen die Tür weit auf, bleiben stehen und bitten den Delinquenten höflich einzutreten. Ich stehe hinter der Tür, gehe von hinten an ihn heran, bleibe genau hinter seinem Rücken stehen, höre auf zu atmen, um ihn keinesfalls zu erschrecken, strecke meinen Arm aus, drücke den Zeigefinger durch und führe meinen Spezialauftrag ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, aus. Warum sollte ich zögern. Es gibt keinen Grund dafür. Solange ich das hier auf diese Weise mache, habe ich es noch kein einziges Mal erlebt, dass einer von den Delinquenten geschrien oder irgendwie Widerstand geleistet hätte. Dafür mache ich das alles viel zu schnell. Ich habe das alles Tausendfach auf dem Schießplatz des MfS probiert und beherrsche jeden Handgriff im Schlaf. Und wenn ein Auftrag wie heute ansteht, probiere ich es zuhause mit einer Spielzeugpistole, meist in der Zeit, wenn meine Frau die Hausordnung macht. Früher hat sie mich ab und zu vor dem Schlafzimmerspiegel erwischt und ich musste ihr das irgendwie erklären. Ich sagte ihr etwas von Filmszenen nachspielen. Um das zu vermeiden, gehe ich seit dem in den Keller, stelle mich hinter das Gatter und übe wie ich ins Ziel treffe. Manchmal setze ich mich auch einfach nur hin, öffne ein Glas Gewürzgurken, futtere das gesamte Glas aus und lass mich von meiner Frau später ausschimpfen. Die Schlüssel klappern, die Tür geht auf, die Silhouette eines schlanken Mannes, der mindestens einen Kopf größer ist als ich, kommt herein und schaut ins Dunkel. Ich trete von hinten an ihn heran, strecke den Arm aus und drücke den gespannten Hahn meiner Walter P 38 durch. Der Delinquent sackt lautlos vor mir auf den Boden. Das Licht wird angeschaltet. Die zwei Wärter, der Staatsanwalt, der Gefängnisdirektor und der Arzt treten nacheinander herein. Der Arzt beugt sich flüchtig zu ihm herunter, greift mit Daumen und Zeigefinger sein Handgelenk. Er nickt. Die Wärter breiten ein Tuch aus und heben den Delinquenten in einen bereitgestellten Sarg. Erst jetzt lasse ich den Arm sinken, sichere die Waffe, ziehe das Magazin heraus und verlasse den Raum.

Der Achtinfame – Der Mutmacher

Der Achtinfame

Infam können die Menschen sein, doch sind sie es stets einmalig, nicht aber achtmalig. So entschied sich der Achtinfame achtfaltig, und nicht einfältig dazu, die Zahl ACHT zu seiner liebsten Zahl zu machen. Um ein Marmeladenbrot zu bestreichen, benötigte er stets acht Striche. Reiste er weit, so packte er seinen Koffer achtmal um. Auch unterschrieb er stets achtmal, das sah dann so aus als hätte er nur einen besonders dicken Stift gewählt, um Dokumente zu beglaubigen. Denn glauben konnte er sich stets, soweit er alles achtmal tat.
Auch bemühte er sich seit jeher acht Freundinnen zu seinem Freundeskreis zu zählen, und wenn eine ging, so kam eine andere dazu, denn es mussten schon acht sein. Vor einer Woche hatte er acht vollzählig, da kam eine andere Freundin hinzu. Doch der Achtinfame wusste was zu tun war. Immer. Und so weiß er es auch jetzt und tötet sie achtmal.

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Der Mutmacher

Der Mutmacher hat sein Gewerbe noch nicht eintragen können. Heutzutage sind die Behörden sehr streng.
Am Mut seiner Mitbürger feilt, schraubt und sägt er. Ist der Mut einmal fertiggestellt, so liegt es an ihm, ihn an den Mann oder an die Frau zu tragen. Denn Mut trägt nicht jeder. Mut steht nicht jedem.
Doch es ist mühsam Menschen zu finden, die bereit sind Geld für Mut auszugeben. Dabei fehlt es doch gerade an ihm, um den Mut zu erwerben. Die Menschen sind so dumm.
So stellt er sich an die dunklen Ecken, die hellen Gassen, die verstaubten Straßen und die vollen Märkte… all das für ein bisschen Einkommen mit dem ältesten Gewerbe der Welt.
Mut verkaufen.

Der Kleingepunktete

Ein kleingepunkteter Mensch unterscheidet sich stark von seinem verwandten Bruder, dem kleinkarierten. Denn der Kleingepunktete ist ein Freigeist. Er mischt die Punkte ebenso wie deren Farben, denn er liebt die Muster, die sich von weitem ebenso erkennen lassen wie von nahem. Manchmal wirkt es wie eine Farbpalette, manchmal geht alles in einem über. Doch immer zeigt sich je näher man kommt, was das alles ausmacht: Punkte.
Die Punkte kamen schon sehr früh in sein Leben. Wo andere eine klare Linie verfolgten, verfolgte er stets Punkte. Die Momente seines Lebens kennt er anhand ihrer Punkte. Seine erste Freundin hatte sechs Sommersprossen, die von Sonnenstrahl zu Sonnenstrahl dicker und klarer wurden.
Seine Lehrerin in der 6b gab ihm stets die beste Punktzahl. Denn er strebte sie immer an. Doch sie unterschied sich von den anderen Lehrern an einem folgeschweren Tag. Sie gab ihm eine 1 mit Stern. Sterne aber hat er nie begriffen. Waren es nicht die Sterne von weit, die keine Sternform kannten? Waren sie nicht auch von Nahen schon längst vergangen und leuchteten nur, weil wir auf dem Erdball Punkte und Licht wahrnehmen können? So entschied er sich den Stern zu schwärzen und galt seitdem als Seltsamer. Denn mit Kleinkarierten kennt man sich aus, nicht aber mit Kleingepunkteten.

watt´n meer

den koog hinauf, stehen da plötzlich schafe so viele,

die blöken nicht mal,

die rupfen und zupfen

lieber das marschland so satt an verschiedenem grün und braun.

der wind rauscht in den ohren,

trägt das salz dir auf die lippen

und den schnodder in die nase.

 

watest du vor, wo das glitzern dir meer verspricht,

trittst du in wattwürmer, braunalgen, muscheln

und läufst doch wie auf moos.

es sei denn ein priel kreuzt deinen weg

und einer kommt selten allein.

 

im schlick dort ein krebs, ein zweiter, ein dritter,

totgeglaubt harren sie aus und warten

auf das was da kommen mag und kommt,

mit der gewissheit der tiden

geflutet ins meer oder hinein in die schnäbel

der krächzenden möwen.

Armer Anton / Zacharias Zahnlücke / Zoras zickige Ziehmutter / A-Z

Armer Anton

Am Anfang arbeitet Anton auffallend akkurat. Ansonsten aber angelt Anton allabendlich ausgelassen an Aischas attraktiven Ausschnitt. Außer Angestellter Angermeier argwöhnt abermals an Antons albernen Angeleien. Aber Antons außergewöhnlicher Augenglanz ändert alles. Abrupt äußern ahnungslose Angestellte ähnliche Anliegen. Aber Angermeiers Augäpfel äußern alles andere als Annäherung. Also ändert Anton ärgerlich alle Anstrengungen an Aischas ausladendem Ausschnitt. Armer Anton!

Zacharias Zahnlücke

Zacharias Zindelmeier zeigt zögerlich zwei Zahnlücken. Zahnarzt Zangemann zeigt Zindelmeier ´zig Zängchen. Zacharias zaudert, zittert, zuckt zusammen. Zangemann zerrt, zieht, zerrt, zick-zack, zick-zack, zerstört Zahnhälse, zählt zwanzig Zwischenteile. Zufrieden zeigt Zangemann Zindelmeier zehn Zahnlücken. Ziemlich zahnfrei zieht Zacharias Zindelmeier zweifelnd zum Zeitungsstand, zählt zähneklappernd Zeitungsgeld zusammen.

Zoras zickige Ziehmutter

Zora Zindel zupft zufrieden zinnoberfarbene Zierpflanzen. Ziehmutter Zarathundra zetert Zora zusammen. Zähneknirschend zieht Zora zickig zum zerfallenen Zierbrunnen zurück. Zuviel Zank zerstört Zoras zarte Zauberwelt.

A-Z

Achmed besitzt Charme. Das ekelt Franz. Ganz hetzerisch ist Jeanine. Kevin lacht mitunter nur oder posiert quasselnd Richtung Schulklasse. Tatsächlich untersuchen vergleichsweise wenig Xenophobe Zustände.

Schuhe

Anderweitig vertan sind die Schuhe.
Selbst Strümpfe frieren, denn es bleibt Winter.
So frieren die Schuhe mit den Menschen
– ein. Man möchte im Leben
wirklich kein Schuh sein.

Erstens wäre man geteilt (denn was
ist einer ohne den anderen),
dann das Stolzieren und dann
das Wandern.
Das nützt doch keinem!

Niemandes Schuh möchte man sein.
Ginge kaputt und dann gen Müll,
in Tüll aber schlafen die Frauen nackt
– darunter…
Doch einen Schuh wirtschaftet
man herunter.

Undankbar und ohne Schuhfett
nässt man, schwitzt man, stinkt.
Überhitzt man überhitzig,
unvollzählig und traurig.

Trauern muss der Schuh:
denn ohne ein Schuh Ich
ist kein Schuh Du.

21.08.2019

Pauke Petrys Plan platzt /Hörn Höcke

Pauke Petrys Plan platzt

Pauke Petrys politische Pöbeleien passen planlosen Pegidaanhängern perfekt. Plötzlich plappern politisch prasselblöde Pegidisten Paukes perverse Putin-Phantasien. Parteiübergreifend pfeifen politikinteressierte Personen Pfeifkonzerte, parodieren prachtvoll Petrys Pampe, präsentieren per Parlamentsbeschluss Persönlichkeitsrechte pur. Plötzlich platzt Pauke Petrys Plan. Peng!

Hörn Höcke

Hörn Höcke hockt hinterlistig hinter hochgezimmerter Hirnschranke. Hörn horcht hungrigen Hilfesuchenden hinterher, hetzt, holt hastig hasserfüllte Hilfsbürgertruppen herbei. Hundert hat Höcke herausgeschrien! Hunderttausend! Hunderttausende! Hundertmillionen Hilfebedürftige holen Häuslebauers hartersparte Habseligkeiten heraus, handreichen Hehlerwaren. Halt! Halt hetzt Höcke herzaufbäumend. Halt! Halt! Höckes Hilferuf hinterlässt hilfswillige Helfershelferhelfer. Herbeigeströmte hetzen Hilfesuchende. Hörn Höckes Hysterie hat Hochkonjunktur.

Europarechtler Erdogan – Masse mal Maaslosigkeit

Europarechtler Erdogan

Eilig ersetzt Erpresser Erdogan ersatzlos Europarecht. Er erzählt epenhaft, er errette Eulen. Erdogans Etüden erzürnen Europapolitiker (etwas). Eiskalt erpresst er Eliten, ebenso einfältig empfängliche Einwohner. Erlasse erledigen erbarmungslos ehemals ehrbare Existenzen. Entmutigt emigrieren einige. Europapolitiker erstarren entgeistert, experimentieren eindeutiges Europarecht, erschwindeln Etikette. Ekelhaftes Einvernehmen. Erdogan exerziert exaltierte Ersatzarmeen, erpresst eisern, ermittelt effektiv, einstweilen exemplarisch. Erfolgsmann Erdogan äschert einsame ängstliche Eulen ein. Erdoganisch erodiert „Einiges Europa“.

Masse mal Maaslosigkeit

Musterschüler Meiko Maas macht mit Maaslosigkeiten mediale Massenüberwachung momentan möglich. Mittels maasgeschneiderten Mutmaasungskatalogen minimiert Messdiener Maas moderne Medienrechte, macht Meinungsfreiheit mundtot, Menschenrechtsorganisationen machtlos, Mediennutzer mutlos. Meikos Maasregelwahn mobilisiert Massen. Meutere mit!

Trau schau

Deiner Seele habe ich
keinen Abbruch getan.
Du bist meinetwegen,
wegen mir –
wegen dir –
deinetwegen –
wegen was,
(wegen dem doch nicht)
ein Gedicht geblieben.

Wegen dem Legen-zu-Mittag
liegen lassen,
verblassen.

Ein Gedicht bleiben können,
den Zeiten entgegen,
den Zeilen –
wegen Streben, wegen was,
wegen dem doch nicht…
reden, überreden,
streben zu reden:
reden lass.

Gedicht geblieben,
Gedicht bleiben
und Gesicht.
Dein Gesicht
in meinem Gesicht,
deine Gedichte
sind meine Gedichte,
meine Gedichte bleiben
wegen dir, deinetwegen.
Schweigen.
 
Wiegen, überwiegen,
liegend zu wiegend,
wiegen was…
wiegend liebend,
lieben zu lieben,
liebend, flehend,
stockend, stehend:
lieben lass.
 
Bloß der Regen fällt dein Haar.
 
Doch deiner Seele
hat das keinen Abbruch getan.
 
Und dann:
reise auf deine
stille Art und Weise
fort.
Liebend, flehend,
stockend, stehend:
lieben lass.
 
Was ist das:
pfeifend, reifend,
knochig betend:
Liebe lass.

Waliča Weidels Wahlscheinlichkeit! – Bedauernswerte Beatrix

Waliča Weidels Wahlscheinlichkeit!

Während wir wankelmütig werden, webt Waliča Weidel wohlgefällig wirre Welttheorien, woraus westdeutsche Wirtschaftswundermelancholie, wurmstichiger Weltkriegswundenpathos, wohlhabende Wirtschaftsflüchtlingsangst wechselseitig weichgemaicht werden. Willenlos wanken wacholderschnapstrunkene Wracks, wehrmachtsbereite Wendeverlierer, wetternde Witwengruppen westwärts, wandern wohlklingenden weidelschen Widerhall. Währenddessen wettgeifern Wahlkampfveranstaltungen weichgespültes wolkenfreies Wunschzettelallwetterhoch. Wenn wir (wieder) wegschauen wird Waliča Weidels Wahlscheinlichkeit Wahrheit werden.

Bedauernswerte Beatrix

Brechstange Beatrix benutzt bei Bootsflüchtlingen bereitwillig beleidigende Begriffe, bisweilen bei bestimmten Berufspolitikern besonders beliebt. Bleibt Brechstange Beatrix bei brandstifterischem Benehmen, brauchen bedürftige Bootsflüchtlinge bei brennenden Bleiben, besser bewachten Behausungen, besonnene Bundes-Bürger bei bewährten Bürgerrechten.

neubeginn

intakt und zerrissen zugleich,

versteckt sich die zukunft

im sommer zwischen den blättern,

wartet nicht, was kommen mag

sondern kommt:

mit dem frost und dem eis und dem schnee,

der alle kahlköpfigen eichen bedeckt,

und nur noch das nadelgrün leuchten lässt.

verschwunden das moos,

hier ist nichts los,

nur knirschen im schnee,

hier flattert nichts mehr, hier pfeift es.

aus dem letzten loch schaut ein hase hervor,

träumt von den himbeeren,

hier im einz´gen gestrüpp.

intakt und zerissen zugleich

versteckt sich die zukunft

im winter unter den flocken aus eis.

NEUIGKEITEN

Liebe freundeunbekannte,

wir haben GROßARTIGE Nachrichten für Euch!

Wir haben Kraft getankt, Arbeitgeber gewechselt, ein Kind bekommen, Schmuck verkauft, geheiratet und eine neue freundeunbekannte gefunden! Wir schreiben fleißig und sammeln und diskutieren und bestücken wieder regelmäßig den Blog ab Januar 2019– und zwar zu viert!

Anbei noch eine wichtige Information zur EU-Datenschutz-Grundverordnung vom Mai 2018. Ihr habt in der Vergangenheit von uns Sonntagspost zu aktuellen Blogeinträgen und Informationen zu Lesungen erhalten.
Gerne möchten wir Euch auch in Zukunft diese Briefe und Informationen zusenden können, daher haben wir Eure Kontaktdaten in unserem Verteiler gespeichert. Näheres dazu findet Ihr auch auf unserem Blog unter der Rubrik Datenschutzerklärung.

Falls ihr das nicht wünscht, bitten wir Euch, uns kurz darüber zu informieren indem ihr uns eine E-Mail mit dem Betreff „Abmeldung“ an briefe@freundeunbekannte.de sendet.
Falls wir keine entsprechende negative Antwort von Euch erhalten, werden wir Euch weiterhin schreiben.
Damit erteilt ihr uns die Erlaubnis, Eure persönlichen Daten ausschließlich für den Versand unseres Newsletters zu verwenden.

Natürlich könnt ihr Eure Einwilligung auch in der Zukunft jederzeit widerrufen, indem ihr uns ein Mail mit dem Betreff „Abmeldung“ an briefe@freundeunbekannte.de sendet.

Wir wünschen euch noch einen sonnigen und erlebnisreichen Sommer und freuen uns auf das neue Jahr mit Euch!

Eure freundeunbekannte

#meg #korbinian #eileen und #dina