Kunstlederkoffer, weinrot, Reißverschluß defekt, Namensschild fehlt

darin:
1 Strickjacke, grün, stark abgetragen,
3 Blusen, weiß, rosa, grün, teilweise fleckig
5 Röcke, blau, grün, schwarz, grau, schwarz, verschmutzt
7 Paar Strumpfhosen, mehrfach gestopft
1 Strumpfhose, original verpackt
2 Paar Wollstrümpfe, getragen
1 Tagebuch, altrosa, samtbezogen, stark abgegriffen
2 Paar Ballettschuhe, weiß, purpurrot, unbenutzt
4 Paar Ballettschuhe, weiß, weiß, rosa, blau, löchrig
1 rechter Hausschuh, Kamelhaar, Sohle ausgetreten
1 rechter Straßenschuh, grünes Leder, Absatz fehlt
1 rechter Straßenschuh, ockerfarbenes Leder, mit Einlage, gut erhalten
1 goldfarbener Ehering mit Gravur „A M 12.1.44“ , stumpf
1 silberne Kette mit goldfarbenem Ehering mit Gravur „F M 12.1.44“, verbogen
1 goldfarbener Anhänger, grüner Stein, keine Abnutzungsspuren
53 Postkarten der Stadt Prag in Seidenpapier gehüllt, allesamt unbeschrieben
1 Reichskunstmedaille der Stadt Dresden, Verpackung fehlt, sehr gut erhalten
1 Medaille Held der Arbeit, Kunststoffetui, sehr gut erhalten
1 Ehrenmedaille der Stadt Leningrad, Holzkästchen mit Intarsien, sehr gut erhalten
1 Buch: Das Kapital, mit Textunterstreichungen, Randnotizen, Beschlagnahmevermerk, stark abgenutzt
1 Buch: Theorie des Ausdruckstanzes, Beschlagnahmevermerk, stark abgenutzt
12 Eintrittskarten, 32 Ballettkarten, 28 Opernkarten und 1 unbenutzte Kinokarte
1 hellbraunes Briefkuvert, DIN A5, darin:
1 Hochzeitsfotografie mit der Signatur 12.01.44
1 Kleinkindfoto, Rückseite Bleistiftvermerk „Ein lieber Gruß von der Landesheilanstalt Stadtroda“
1 ganzseitiger Zeitungsartikel, 1951, Uraufführung im Mariinskitheater, Leningrad, vergilbt
1 Aufführungsplakat, 1952 „Das Frühlingsopfer“ von Igor Strawinsky, Komische Oper, Ecken abgerissen
1 Stifte-Etui, braunes Kunstleder mit diversen Inhalt, abgenutzt
1 Damenbrille, Hornimitat, Bügel geklebt
1 Herrenbrille, goldfarben, gut erhalten
1 Brief an das Büro des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, handgeschrieben, 1973, gut erhalten
1 Antwortschreiben, schreibmaschinegeschrieben, 1973, zerknittert
1 Brief an das Büro des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages, handgeschrieben, 1991, gut erhalten
1 Antwortschreiben, maschinegeschrieben, 1991, zerrissen, mehrfach geklebt
1 Brief an das Büro der Entschädigungsstelle für die Opfer der NS Regimes, handgeschrieben 1992, gut erhalten
1 Klarsichthülle mit einem Entlassungsformular der Haftanstalt Ravensbrück, 1942, Knitterstellen
1 Klarsichtfolie mit einem Entlassungsformular der Haftanstalt Hohenschönhausen, 1953, sehr schlecht erhalten, viele Klebestellen
1 vierseitiges Urteil über die Aufhebung eines Entmündigungsverfahrens von 1943,
Siegel der sowjetischen Militärverwaltung und Unterschrift 1945, Stempel des Bezirksgerichtes Dresden mit Unterschrift, 1946, handschriftlicher Rücknahmevermerk, Bezirksgericht Berlin, 1953, gut erhalten
1 Kommentierung des Grundgesetzes der BRD, zwischen den Buchseiten DM 900.- in druckfrischen Scheinen
DM 29,73 Münzgeld in einer Nivea-Dose
1 Pass, Deutsches Reich, Visaeinträge, Polen, Sowjetunion, Iran, Türkei, Frankreich, Algerien, Beschlagnahmevermerk 1942, Ecken abgeschnitten
1 Personalausweis der DDR mit dem Aufdruck „ungültig“, 1953, gut erhalten
7 Vorläufige Personalausweise der DDR für einen „Eingezogen Personalausweis“ mit verschiedenen Aufenthaltsbeschränkungen, Schlüsselabgabevermerk, allesamt abgegriffen
1 Personalausweis der BRD, 1992, ohne Visavermerk, unbenutzt
1 Schwerbehindertenausweis des Amtes für Familie und Soziales der Stadt Dresden, 1995, mit dem Vermerk „unbefristet“, sehr gut erhalten
1 Mitgliedsausweis der KPD, Beschlagnahmevermerk 1938, Seiten fehlen, schlecht erhalten
1 Mitgliedsausweis der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, mit Auflösungsanordnung, 1953, Stempel der Polizei Stadt Dresden, mehrfach geklebt
1 Schachtel Veronal, Inhalt vollständig, Verpackung sehr stark abgegriffen

Graufahrer

„Guten Abend, ein Ticket bitte.“
„Es gibt keine Tickets mehr.“
„Aber am Automaten gibt es doch Tickets?“
„Normalerweise ja.“
„Aber?“
„Der Automat ist kaputt.“
„Aber wenn der Automat kaputt ist, verkaufen Sie doch die Tickets.“
„Das stimmt.“
„Also dann hätte ich gern eins.“

„Ich verkaufe keine Tickets mehr.“
„Aber wieso?“
„Weil der Automat kaputt ist und deshalb alle ihre Tickets bei mir gekauft haben.“
„Aber warum kann ich dann keins bei Ihnen kaufen?“
„Weil sie alle sind.“
„Ich bin alle?“
„Die Tickets.“

„Aber wo kaufe ich jetzt ein Ticket?“
„Sie können kein Ticket kaufen.“
„Aber was mache ich denn dann?“
„Na was schlagen Sie denn vor?“
„Ich fahre ohne Ticket mit?“
„Ja.“
„Gut!“
„Oder haben Sie eine bessere Idee?“

„Ich könnte Sie bezahlen und Sie merken sich mein Gesicht.“
„Sie wollen mich dafür bezahlen, dass ich mir ihr Gesicht merke?“
„Nur für den Fall, das eine Kontrolle kommt.“
„Und dann?“
„Dann sollen Sie sich an mich erinnern und sagen, dass ich bezahlt habe.“
„Sie wollen mich dafür bezahlen, dass ich sage, was sie wünschen?“
„Ich würde sie dafür bezahlen, dass sie die Wahrheit sagen.“
„Seltenes Angebot.“

„Also was jetzt?“
„Ich kann nicht einfach so Geld in die Kasse stecken. Und in meine Taschen schon gar nicht. Oder wollen Sie mich bestechen?“
„Ich will keine 40 Euro bezahlen müssen, wenn eine Kontrolle kommt.“
„Es kommt keine Kontrolle.“
„Sind Sie sich sicher?“
„Ja, weil ich die Kontrolle bin. Und ich will keine Gesichtskontrolle sein.“

„Stimmt was nicht mit meinem Gesicht?“
„So vermummt wie Sie sind, kann ich das nicht sagen.“
„Entschuldigung, es ist kalt.“
„Wenn Sie endlich richtig ein- oder richtig aussteigen würden könnte ich die Tür zu machen und es würde wieder wärmer.“
„Gut. Danke.“

„Sie könnten wenigstens Bitte sagen.“
„Was?“
„Bitte!“
„Was?“
„Verstehen Sie das nicht? Sie wollen nett sein. Aber Sie sind nicht nett.“
„Ich werde fürs Busfahren bezahlt.“
„Aber nicht von mir, heute.“
„Und fürs Nettsein hätten Sie was gegeben?“