Ich weiß nicht, was ich denken soll

Ich fahre den Einkaufswagen zum Käseregal. Aus dem Gang mit den Konserven kommen junge Zigeuner. Ich schiebe den Wagen schnell weiter. Ich weiß, dass man Zigeuner nicht sagt. Und trotzdem forme ich wie von fremder Macht geführt dieses Wort lautlos in meinem Mund und schiebe mich an den plappernden Frauen vorbei. Ich schiebe meinen Einkaufswagen an den Sinti oder Roma-Männern, wie es korrekt heißen müsste, entlang, die jeder neugierig in einen anderen Gang schauen. Hab´ ich mir`s doch gedacht, geht es mir durch den Kopf, ihr wollt klauen. Ich beiße mir bei dem Wort Klauen auf die Lippen und denke, dass ich das maximal vermuten darf und mir fest vorgenommen habe aus der jämmerlichen Geschichte der Zigeuner meine Konsequenzen zu ziehen und stets zuerst eine Unschuldsvermutung abzugeben. Ich erinnere mich, dass ich mich tagelang im Internet belesen hatte, um deren Schicksal nachzuvollziehen. Ich weiß seitdem, dass sie wie die Homosexuellen und Kommunisten noch vor Hitlers Machtergreifung auf Listen geführt und verfolgt worden, dass sie in Auschwitz ein spezielles Lager hatten, und dass sie die Einzigen waren, die einen Aufstand führten, sodass die SS abziehen musste und erst am nächsten Tag alle Gefangenen ermorden konnte.

Ich flüstere lautlos Entschuldigung und schiebe meinen Einkaufswagen zurück. Im Vorbeigehen greife ich ein Glas Senf und nicke den Männern freundlich zu. Ich schiebe den Wagen zu der Sinti-Frau, mit der aufwendig gesteckten Frisur und überlege, ob und wie ich sie eigentlich ansprechen soll. Im bemühten Tonfall frage ich mit meinen Englischkenntnissen: „Can I help you, please?“ Dabei lächle ich und wiederhole meine Frage ohne eine Antwort abzuwarten. „What can I do for you?“ Das Plappern der Frauen hört auf, sie sehen mich an und die Sinti-Frau mit der verschnörkelt schönen Haarkreation winkt meine Worte mit einer laxen Handbewegung ab. Weil ich mir nicht sicher bin, ob sie mich versteht, wiederhole ich dieses Mal meine Frage an die Schwangere, die mit den Händen über ihren dicken Bauch streichelt. „Can I help you?“ Ich lächle und zeige auf das Wurstregal. Sicher, geht es mir durch den Kopf, sicher sind sie mit der Fülle an Wurstsorten überfordert. Als ich nach der Wende das erste Mal in einen Supermarkt stand, wusste ich auch nicht, was ich wollte und packte den so Wagen voll, dass das Geld an der Kasse nicht reichte und ich mich mit hochrotem Kopf entschuldigen musste. Da mir diese Situation unangenehm wird, nehme ich irgendeine Packung Wurst aus der schier endlosen Fülle, bedeute ihr, dass die Wurst sehr gut schmecke, werfe sie in meinen Wagen und fahre weiter. Im übernächsten Gang bleibe ich stehen und überlege, ob sie vielleicht wegen der Frage, ob die Wurst aus Schwein oder Rind bestünde, verunsichert ist. Ich erinnere mich an meine Internetsuche und weiß, dass die Zigeuner oder Sinti und Roma oder wie auch immer, überwiegend Christen sind und somit auch Schwein essen. Ich erinnere mich, dass es mir nach dem Gelesenen damals unverständlich blieb, warum besonders die Kirchen ihre Verfolgung mit den Namenslisten in den Taufbüchern ermöglichten und sich Himmler genötigt sah, sich für deren Unterstützung öffentlich in einer Radioansprache zu bedanken. Ich schiebe meinen Wagen weiter durch die Gänge und überlege, warum sie über Jahrhunderte so viel Hass erleben mussten. Bei den Juden hat man sich der Frage gestellt und es gibt jede Menge Bücher dazu. Bei den Sinti bleibt die Frage bis heute unbeantwortet. Deswegen bekommen sie auch kein jährliches Flüchtlingskontingent zuerkannt. Ich schiebe den Wagen zur Aktionstheke und beginne zu wühlen. Mir fällt der Spruch des Vorsitzenden des Zentralrates der Sinti und Roma ein, der in einem seiner wenigen Interviews sagte, dass er im Windschatten des Holocaust leben musste. Unlängst las ich einen Beitrag, dass deutsche Zigeuner, die an der Front kämpften und mit Tapferkeitsmedaillen geehrt wurden, umgehend nach Auschwitz kamen, wenn sich herausstellte, dass sie Zigeuner waren und dass die Uniformen und Auszeichnungen bei Bewachern und Gefangenen für Verwirrung sorgten.

Ich wühle in der Aktionsware und nehme eher lustlos, und um aus meiner wirren Gedankenspirale herauszufinden, einen Doppelpack gebackene Camembert, obwohl ich weiß, dass ich die Kalorienbombe im Ganzen fresse, wenn ich die Packung einmal aufhabe. Der Gruppe an Männern und Frauen drängt lautstark in Richtung Kasse. Weil mir es unangenehm ist, hinter den Männern zu stehen, renne ich an die andere Kasse und werfe schnell die Wurst, den Senf und den gebackenen Camembert aufs Band. Die Verkäuferin sieht mich ungläubig an, steht auf und schaut in den leeren Wagen, in Richtung meiner Tasche, auf meine Hände und sagt in die Länge gezogen: „Ist das alles?“ Ich schaue zurück und komme mir wie ein Dieb vor. Aus den Augenwinkeln beobachte ich die anderen Wartenden, die jede ihrer Bewegungen aufmerksam verfolgt. Ich lasse die schwangere Sinti-Frau mit den tausend Armreifen, die beim Aneinanderschlagen so wunderbar klingen, an mir vorbei. Empört sage ich: Wenn Sie heute kein gescheites Angebot haben, dafür kann ich doch nichts.“ Nur um sie zu ärgern, ziehe ich den Hunderter aus dem Portemonnaie und bekomme prompt die Frage: „Haben Sie´s nicht Kleiner?“ Ich lächle sie an und sage: „. Leider nicht. Tut mir wirklich leid! Ist wohl heute bei Ihnen nicht viel Umsatz?“ Wortlos gibt sie mir das Wechselgeld. Sofort kommen mir die Sinti-Männer in den Sinn. Hastig schütte ich das Geld ins Portemonnaie und verstecke es in der Brusttasche. Die schwangere Sinti-Frau sieht mich an und steigt auf die Rolltreppe. Demonstrativ nehme ich das Portemonnaie wieder aus der Brusttasche und stecke es wie sonst üblich in die Gesäßtasche. Ich werfe die Einkäufe in den Rucksack und gehe ebenfalls zur Rolltreppe. Die Sinti-Männer huschen auf die Stufen und stehen nun doch vor mir. Auf der Rolltreppe betrachte ich die Männer mit ihren völlig ausgetretenen Schuhen und bin mir sicher, dass sie mit den Dingern nach Deutschland gelaufen sein müssen und dringend neues Schuhwerk bräuchten. Ich betrachte ihre Kleidung und wundere mich. Rosa und gelb scheinen denen wirklich nichts auszumachen. Die Männer kommen im Erdgeschoss an. Die Schwangere erwartet sie, zieht ihr Sweatshirt hoch, lässt eine Vielzahl an Wurstpackungen herausgleiten und verteilt sie an die Männer. Ich laufe an ihnen vorbei, tue so, als ob ich die Wurst nicht sehe und starre stattdessen zu der Frau mit der hochgesteckten Frisur. Ich gehe zum Rad und denke, typisch Zigeuner. Über meinen Gedanken erschrocken, trete ich wütend ins Pedal und fahre los. An der Straßenkreuzung, bremse ich ab, steige vom Rad, nehme das Portemonnaie und ziehe den Fünfziger, den Zwanziger, die zwei Zehner und den Fünfer Wechselgeld heraus. Ich falte sie zusammen und werfe sie dem Zigeuner, ich berichtige mein Gedankenwort, dem Sinti, der schon seit Jahren hier kniet, in den Pappbecher mit dem verblassten Aufdruck. Ich nicke. Er sieht mich an, bekreuzigt sich und will meine Hand küssen. Ich habe nichts gegen euch, denke ich. Ich betrachte den knienden Mann mit seiner gegerbten Gesichtshaut, der mich dankbar anlächelt. Ich nicke ihm nochmal zu und weiß auch heute wieder nicht, was ich von Sinti oder Romas oder wie man korrekterweise heutzutage sagen muss, halten soll.

Welche Fahrt?

„In Ordnung. – Wo fahren wir hin?“
„Entschuldigung?“
„Was denn? Anschnallen? Ist das Ihr Ernst? So hätte ich Sie nicht eingeschätzt.“
„Wollen Sie mich verarschen?“
„Fahren Sie!“
„Was? Warum sollte ich?“
„Wäre ‚Weil grün ist!‘ ein überzeugendes Argument? Fahren Sie schon!“
„Nicht, so lange Sie neben mir sitzen!“
„Hören Sie das Geräusch? Damit bringen die Fahrer hinter Ihnen ihre Frustration zum Ausdruck. Fahren Sie!“
„Also schön. Aber nur bis zur nächsten Parklücke. Dort steigen Sie aus!“
„Parklücke? In diesem Viertel? Sie sind niedlich, ich hab’s mir gedacht. Außerdem geht die Fahrt doch gerade erst los!“
„Welche Fahrt?“
„Woher soll ich das wissen? Sie fahren. Hier wären übrigens 50 erlaubt.“

„Sind sie auf der Flucht?“
„Sehe ich aus als hätte ich eine Bank überfallen? Ich habe dazu mal recherchiert – aus rein beruflichem Interesse, versteht sich. Die Sicherheitsvorkehrungen der Banken heutzutage verderben einem den ganzen Spaß. Aber glauben Sie mir: Falls ich jemals eine Bank überfalle, würde meine Beute nicht in meine kleine Tasche hier passen. Geben Sie einen guten Komplizen ab?“
„Werden Sie verfolgt?“
„Wer soll mich verfolgen? Agenten? Auftragskiller? Wie aufregend! Aber nein.“
„Ihr eifersüchtiger Ehemann?“
„Sie täuschen sich. Dem bin ich nachgelaufen. Viel zu lange.“
„Ein Kaufhausdetektiv?“
„Halten Sie mich für eine Diebin? Wie langweilig. Oder eine Kleptomanin? Denken Sie, ich sei verrückt?“

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Die Gastnehmerin, Teil I

Ich warte. Meine Mutter hat sich angemeldet. Sie hatte gestern am späten Abend angerufen und gefragt, ob sie mit mir heute Morgen etwas überaus Wichtiges besprechen dürfe. Es sei dringend, sehr dringend.
Ich kenne ihre Art. Ich kenne ihre unaufschiebbaren Wünsche und auch ihre Hartnäckigkeit. Sie gibt nicht nach. Sie gab noch nie nach. Sie versucht es anfangs freundlich, später indem sie mir ein schlechtes Gewissen macht und zum Schluss mit Vorwürfen. Das alles ist mir vertraut. Nun sitze ich da und warte auf das, was ihr Besuch von mir fordern wird. Ich schalte den Fernseher an und springe von Sender zu Sender. Nachdem ich alle dreiunddreißig Programme durchgeblättert habe, fange ich wieder von vorne an, bis es zwei Mal kurz hintereinander klingelt. Sie klingelt immer zwei Mal. Das ist ihr Zeichen. Das hat sie vor Jahren für uns festlegt. Deswegen ermahne ich die Postträger und die Bewohner des Hauses, falls sie Irgendetwas von mir wollen, bitte, bitte nur einmal zu klingeln. Da sie schon mehrfach erlebt haben, wie mies es mir geht, wenn sie zweimal klingeln, halten sich die meisten an meine ungewöhnliche Bitte, wie sie sie verwundert ein jedes Mal nennen, wenn wir darauf zu sprechen kommen. Wieder klingelt es zwei Mal. Und dann noch zweimal kurz hintereinander. Auch das kenne ich von ihr. Heute stürze ich nicht zur Tür, sondern lasse mir Zeit. Eigentlich wäre jetzt eine weitere Chance, mich endlich still zu verhalten und nicht zu öffnen. Eigentlich. Noch nie habe ich diese Chance genutzt. Komischerweise bereite ich mich aber jedes Mal auf diesen Moment vor. Ich schalte alle Lampen aus, drehe das Radio leise und wenn es draußen dunkel ist, schalte ich sogar den Fernseher ab, damit mich das Geflacker nicht verrät. Noch nie habe ich mich still verhalten. Doch, ein einziges Mal. Mir war das damals so unangenehm, dass ich mich bei ihr entschuldigte, ihr versicherte, sehr, sehr fest geschlafen zu haben und ihr zum Abschied Geld geschenkt hatte.
Ich schalte den Fernseher ab, stehe vom Sofa auf, setze einen Fuß vor den anderen und schleiche so zum Türsummer. Es klingelt zwei Mal kurz. Ich warte einen Moment, bis es wieder und wieder zwei Mal kurz hintereinander klingelt und versuche in gelangweilter Stimme zu fragen, wer da ist. Ich höre ihr: „Hier is´ Mutti! Lass mich rein!“ Über meine gelangweilte Stimme bin ich erschrocken. Schnell drücke ich den Summer und öffne die Wohnungstür. Ich gehe ins Schlafzimmer und hole ein Hemd aus dem Schrank, ziehe es aber nicht an. Stattdessen hänge ich es zurück, gehe ins Bad, nehme ein schmutziges Hemd aus der Wäsche und streife es über. Ich gehe zurück ins Wohnzimmer, werfe mich auf das Sofa, schalte den Fernseher wieder an und drücke wahllos durch die Sender. Das Klingeln hat meinen Puls hochgejagt. Ich reibe die Hände an den Hosenbeinen trocken. Ich fluche und drehe den Fernseher lauter.
Sie klopft an die Tür. Ich rufe vom Sofa aus herein und spüre jetzt das Pochen am Hals. Ich drehe die Lautstärke noch ein Stück auf, bevor ich den Fernseher ausschalte. Früher hätte sie sich zuallererst über die Lautstärke beschwert und verlangt den Ton leise zu stellen. Es wäre ihre erste Anweisung gewesen. Es war immer ihre erste Anweisung wenn sie in mein Zimmer eintrat. Sie hatte diese Begründung auch gern benutzt, um mein Zimmer zu betreten, selbst dann, wenn ich gar keine Musik gehört hatte. Ich wische meine kalten Hände nochmal an den Hosenbeinen trocken und schiebe mich vom Sofa auf.
Jetzt steht sie da, klopft leise an der Stubentür und tritt ein. Ich blicke flüchtig zu der kurzatmigen und unfrisierten Frau in ihrem zu großen violetten Hosenkostüm und nicke. Irgendwie freue ich mich über ihre Kurzatmigkeit. Ich hatte mir vor Jahren angewöhnt in obere Etagen zu ziehen. Irgendwie fühlte ich mich dort wohler. Mit jedem Umzug zog ich eine Etage höher, anfangs noch mit Fahrstuhl. Als ich bemerkte, dass ihr das Treppensteigen immer schwerer fiel, suchte ich speziell nach Wohnungen in Häusern ohne Fahrstuhl. Die Makler wollten mir mein Anliegen erst nicht glauben. Aber nachdem ich ihnen Fitnessgründe dargelegt hatte, suchten sie für mich und erklärten mir, dass das Gesetz jedoch Wohnungen nur bis zur Sechsten ohne Fahrstuhl zulässt. Sicherlich fällt mir das tägliche Treppensteigen schwer und ich verfluche sie manchmal auf einem der Treppenabsätze. Wegen den einhundertneun Stufen trinke ich nur noch Leitungswasser und esse eingeschweißtes Fertigzeug. Und seit ich hier oben in die Mansardenwohnung mit der steilen Wendeltreppe gezogen bin, habe ich sogar mein Bier weggelassen und trage meinen Wocheneinkauf in einem speziellen, rückenschonenden Bergsteigerrucksack.
Sie geht in die Küche, setzt sich auf den Stuhl und ringt um Luft. Ich stelle mich an die Spüle, putze am Wasserhahn und beobachte sie aus den Augenwinkeln. Ich freue mich wie sich ihre flache Brust schnell auf- und abbewegt. Wenn sie wieder Luft bekommt, wird sie mich fragen, ob´s denn hier nichts zu essen gibt. Da mir die Frage wieder unangenehm sein wird, hole ich ein hart gekochtes Ei, Margarine und den vorbereiteten Teller Käse aus dem Kühlschrank. Warum ich mich dieses Mal für hart gekochte Eier und Margarine im Kühlschrank entschieden habe, obwohl weder ich noch sie das Zeug essen, sage ich ihr vorerst noch nicht, stelle es ihr aber demonstrativ auf den Tisch. Ich gehe zur Kaffeemaschine und fülle mehr als die doppelte Menge Kaffeepulver, die ich benötige, in den Filter. Ich öffne den Schrank und hole das Gedeck mit der angeschlagenen Tasse heraus, das ich dachte längst weggeworfen zu haben und stelle auch dieses vor sie. Eigentlich müsste jetzt etwas passieren. Eigentlich. Da nichts passieren will, drehe ich ihr den Rücken zu und suche Brötchen im Fach. Das abgepackte Brot schiebe ich dabei unter die Servietten und das Backpapier, dass sie, wenn sie danach suchen würde, in keinem Fall fände. Ich weiß genau, dass sie keine Mohnbrötchen isst. Trotzdem staple ich sie neben die Margarine und erkläre, dass ich leider vergessen habe ihr Brot mitzubringen und ihr nur frische Mohnbrötchen anbieten kann. Sie sagt in ihrem vorwurfsvollen Tonfall, dass sie überhaupt nicht verstehen kann wie ich ihr Brot vergessen könne und wo ich meine Gedanken wieder hätte und ob ich überhaupt auch wenigstens einmal an sie denke. Sie verzieht die Mundwinkel, greift nach einem der frischen Brötchen, betastet es und legt es wieder hin. Damit sie sich es nicht anders überlegt, schneide ich das von ihr betastete Brötchen auf. Mit einem Lächeln, über das ich völlig erstaunt bin, lege ich die Hälften auf den Teller und gebe ihr ein abgenutztes Messer aus dem Schrank. Sie greift zur Margarine, fragt warum ich keine Butter hätte und ob ich sie jemals Margarine essen sah und beschmiert widerwillig die Brötchenhälften. Ich reiche ihr den vollgepackten Teller mit den verschiedenen Käsesorten und bin gespannt auf das, was jetzt passieren würde.

Alle Tage

Als ich mich nach der Zitronenlimonade bücke, spüre ich eine Hand auf der Schulter. Die Berührung ist sanft und mehr durch ihre Wärme als durch ihren Druck zu spüren. Ich drehe meinen Kopf und sehe fein manikürte, klar lackierte Nägel in deren Mitte jeweils ein winziges Steinchen funkelt. Ich sehe einen schmalen goldenen Ring am zierlichen Mittelfinger und einen breiteren silbernen mit schwarzen Ornamenten am Daumen. Die Hand gleitet von meiner Schulter als ich mich aufrichte und verschränkt sich Finger für Finger in der anderen. Ich blicke ins Gesicht einer schmal lächelnden Frau. Der Farbe ihres Pullovers nach zu urteilen, arbeitet sie hier. „Entschuldigen Sie, wir würden den Markt dann gern schließen.“ Ich sehe durch die Eingangstür nach draußen, wo es noch hell ist. „Sie haben ja sicher bemerkt, dass es ein Unglück gegeben hat.“ Die Finger der einen Hand spielen mit den Ringen an der anderen. „Wenn Sie sich dann also bitte zur Kasse bewegen würden, das wäre nett.“ Sie nickt zweimal – langsam, schwach – dreht sich um und geht auf eine kleine, ältere Dame zu, die die Preise zweier Konserven vergleicht. Ich sehe, wie die Angestellte neuerlich die Hände vor dem Bauch verschränkt.

„Tammi?“, rufe ich. Ein Mann mit zwei Flaschen Bier in der einen und einer Tüte Erdnussflips in der anderen Hand dreht sich nach mir um. „Wo bist du?“ Tamara kichert hinter mir und wirft zwei Tüten Mikrowellenpopcorn in den Wagen. Der Mann zieht die Augenbrauen hoch und deutet mit dem Kopf in Richtung Ausgang. „Was wollte die Frau von dir? Kennst du die?“

Mit dem Einkaufswagen hatten wir die schmale Gasse zwischen zwei Krankenwagen passieren müssen, die vor dem Eingang des Supermarktes geparkt waren. „Ist das jetzt ein Krankenhaus?“, hatte meine Nichte gefragt und ich hatte „Nein, nein.“ geantwortet. Bestimmt sei nur jemandem schlecht geworden, so wie es Oma manchmal schlecht werde. Oder schwindlig. Vielleicht sei auch jemandem eine Palette saure Gurken auf den Fuß gefallen, versuchte ich zu scherzen. „Oder eine Mama kriegt ein Baby. Da kommt auch der Krankenwagen.“, hatte Tamara gemutmaßt. „Das kann auch sein.“ „Ein Supermarkt“, überlegte sie, „ist aber ein komischer Ort zum Babys kriegen.“

Ich nehme meine Nichte an die Hand und schiebe den Wagen zur Kasse. Tamara starrt auf die Verbindung unserer beiden Hände als handele es sich dabei um ein wissenschaftlich zu untersuchendes Phänomen. Die Gänge sind schmal, besonders im Kassenbereich, wo sich die Osterhasen und Krokanteier türmen. „Hilfst du mir, die Sachen aufs Band zu legen?“ Während Tamara die Teigmischung, die passierten Tomaten und den Spinat aus dem Wagen angelt, recke ich den Kopf.

Als wir den Markt betreten hatten, sah ich schon von weitem die beiden Sanitäter in neongelben Jacken. Sie knieten über einer Person, die zwischen dem Eierregal und den Stiegen für roten, gelben und grünen Paprika am Boden gelegen hatte. Am Kühlregal weiter hinten war ein Mann mit runder Brille in das Studium der Zutatenliste eines Joghurts vertieft. Eine Münze, die einer Frau an der Kasse aus der Hand gefallen war, rollte einige Meter durch den Markt.

„Bisschen Kupfer haben Sie wohl nicht für mich?“, scherzt die rothaarige Kassiererin. „Ich bin ganz verrückt auf Kupfer heute.“ „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist die Mark nicht wert.“, murmelt die dünne Kundin vor mir, während sie mit spitzen Fingern die Münzen aus ihrem Portmonee fischt. „Cent!“, sagt die Kassiererin. „Cent.“, stimmt die Kundin zu. „Tschüss, machen Sie’s gut!“

„Zuerst brauchen wir Tomaten.“, hatte ich vorgeschlagen, damit meine Nichte nicht in den Gang mit dem Eierregal abbog. „Bio oder billig?“, hatte das Kind gefragt, aber ich war abgelenkt gewesen, weil ich mir nicht sicher war, ob der Sanitäter kaum sichtbar mit dem Kopf geschüttelt hatte, als ich an ihm vorbeilief.

„Und jetzt?“, hatte Tamara gefragt, als die Tomaten schon im Wagen lagen. „Kannst du Pizzakäse holen gehen? Aus dem Kühlregal, dort um die Ecke?“ Sie hatte sich mit grazil ausgebreiteten Armen zweimal um die eigene Achse gedreht und mich angelacht. „Das habe ich beim Ballett gelernt!“ „Toll!“, hatte ich sie gelobt. „Zeigst du mir nachher noch mehr? Und holst du jetzt bitte den Käse?“ „Na gut.“, hatte Tamara geantwortet und war Richtung Kühlregal geschlurft.

Von der anderen Seite hatte ich in die Paprikastiege gegriffen und mir zwei große, tiefrote Früchte herausgesucht. Mein Blick war auf den beige gefliesten Boden des Supermarktes gefallen; dann auf einen Schuh, einen schlichten Herrenschuh, schwarzes Leder; dann einen Strumpf, eine einfache Herrensocke, dunkelgrau; dann auf ein Schienbein, breit, blass, schwach behaart und kurz unter dem Knie schließlich auf den Saum einer Jeans, dunkelblau mit gelben Nähten. Dann erst war es mir gelungen, meinen Blick loszureißen.

„Guck mal! Kuhfleckenpudding!“, hatte Tamara gerufen. „Schoko und Vanille! In einem Becher! Darf ich? Bitte!“ Ich hatte genickt und gewartet, bis sie mit ihren Füßen auf den Getränkekistenboden des Einkaufswagens gestiegen war, bevor ich die Gemüseabteilung verließ. „Jetzt Spinat, oder?“ rief das Mädchen, bereits auf halbem Weg zu den Kühltruhen. „Wenn du das magst.“, gab ich zur Antwort „Aber nur den aus Blättern, Onkel Korbi. Nicht den aus Brei. Mutti mag den auch nicht. Entengrütze!“

Aus dem Augenwinkel hatte ich gesehen, dass die Sanitäter oberhalb der Knie eine Decke über den Mann gelegt hatten. Eine braune Wolldecke, die mich an die Kuscheldecke mit Pferdemotiv erinnerte, die mir meine Schwester in unserer Kindheit immer vorenthalten hatte. Ich hatte mich kurz gefragt, wie sie zu dieser Decke gekommen waren, denn zur Ausstattung des Krankenwagens gehörte sie sicher nicht. Den Reißverschluss meiner Jacke zog ich daraufhin bis ganz nach oben; tatsächlich war es etwas kühl.

Erst jetzt, von der Kasse aus, sehe ich, dass die Decke auch den Kopf des am Boden liegenden Mannes umhüllt. Ich fasse Tamara an der Schulter, um zu verhindern, dass sie nach ihrer nächsten Pirouette mit dem Blick in Richtung Eierregal zum Stehen kommt. Eine Sanitäterin passiert den Kassenbereich schnellen Schrittes. An ihrer Hand baumelt eine durchsichtige Mülltüte. Darin aufgerissene Verpackungen von Kompressen, ein dicker Kunststoffbeutel wie von einer leeren Infusion, ein Stückchen Schlauch, kleine Plastikteile, mintgrün. Tamara steckt den Nagel ihres Daumens in die kleine Lücke zwischen ihren vorderen Schneidezähnen als sie ihr nachsieht. „Haben wir denn alles?“, frage ich sie schnell.

„Der Käse!“, ruft Tamara. „Wir haben den Käse vergessen!“ „Aber du wolltest doch welchen holen?“, sage ich. „Ja, aber da habe ich doch den Kuhfleckenpudding entdeckt. Ich hole ihn schnell, ja?“ „Nein, Tammi. Bleib bitte hier, jetzt.“ „Aber wir brauchen den Käse!“ „Nicht unbedingt.“ „Was soll das denn für eine Pizza werden! Ohne Käse!“ „Vielleicht habt ihr noch Käse zuhause.“ „Haben wir nicht!“ „Dann fragen wir Onkel Wolfgang, ob er Käse übrig hat.“ „Und wenn nicht? Ich kann noch Käse holen. Ganz schnell! Ich muss dafür doch gar nicht –“ „Nein, Tamara. Das geht jetzt nicht.“ „Aber wieso?“ „Das erkläre ich dir gleich.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe und streiche dem Mädchen über den Kopf.

Zwei Polizisten betreten den Markt. Einer zückt einen Fotoapparat, der andere kramt einen Notizblock und einen Kugelschreiber aus seiner Jacke hervor. Zwei Sanitäter nehmen die Decke von dem Mann und spannen Sie als Sichtschutz auf. Dahinter blitzt es. Meine Hand wandert wieder auf Tamaras Schulter. „Junger Mann?“ Ich drehe meinen Kopf. „13,89, bitte.“ „Du hast geträumt, Onkel Korbi!“, lacht Tamara. „Sie brauchen Kleingeld, oder? Kupfer, richtig?“, frage ich und klaube 89 Cent aus meinem Kleingeldfach zusammen. „Ein Träumchen!“ „Sagen Sie, am Backstand kann man aber noch einkaufen, oder?“ „Du willst wohl noch Kuchen essen mit deinem Onkel?“, fragt die Kassiererin Tamara. Die kichert und nickt.

„Warum machst du das?“, fragt das Mädchen, als ich sie neuerlich an die Hand nehme. „Das machst du nie!“ „Was für Kuchen willst du denn, Tammy?“ Das Mädchen reißt sich los und rennt zur Kuchentheke. Vor uns steht ein dicker Mann in schwarzer Lederjacke und schüttelt entnervt mit dem Kopf. „Umgefallen, umgefallen. Das ist doch Mist!“, zetert er. „Wie lange soll ich denn jetzt hier rumgammeln?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“, gibt die Verkäuferin mit rauer Stimme zur Antwort. „So etwas passiert ja nicht alle Tage.“ „Aber der Mann wird doch versorgt.“, mische ich mich ein. „So lange wird es schon nicht dauern.“ Da sieht mich die Verkäuferin an und zieht den Hals ein. Für einen Augenblick tritt ihre Zunge zwischen den Lippen hervor um sie zu befeuchten. „Der Mann wird nicht mehr versorgt.“, sagt sie schließlich. „Der Mann ist tot.“

Unwillkürlich greife ich wieder nach der Hand meiner Nichte und antworte: „Wir nehmen zwei Plunderteilchen mit Obst. Und ein Mürbchen. Und den Windbeutel hier vorn.“ „Kann alles auf eine Pappe?“ „Natürlich.“

Tamara angelt das Kuchenpaket von der Theke und riecht am gelb bedruckten Papier. Ich greife die Plastiktüte. Auf dem Weg nach draußen sehe ich einen Leichenwagen auf den Parkplatz einbiegen. „Onkel Korbi?“, fragt das Mädchen und weil ich mein Portmonee im Mund habe um mit der freien Hand nach meinem Autoschlüssel zu suchen, kann ich nur „Hmm.“ antworten. „Zum Sterben ist ein Supermarkt aber auch ein komischer Ort, oder?“ Ich schlucke. „Hmm, hmm.“, mache ich dann und lasse das Portmonee noch ein paar Sekunden zwischen meinen Zähnen. Erst als endlich das Autoradio angesprungen ist, lege ich es ins Handschuhfach.

Fehlersuche

„Ey, Jungs!“ Wir sehen uns an und sind uns einig, dass wir nicht gemeint sein können. Wir sind lange keine Jungs mehr und kennen niemanden, der uns so laut auf der Straße hinterherrufen würde. „Hey, ihr da!“ Wir bleiben stehen und drehen uns um. Aus einem Fenster im zweiten Stock des blassgelb getünchten Wohnblocks winkt uns eine blondgelockte, schmuckbehangene Frau, Mitte 50. „Könnt ihr mir mal meinen Fernseher einschalten?“ Ich rufe: „Wir müssen weiter.“ Du rufst: „Ist das so schwer?“ „Eigentlich ist es ganz leicht, nur heute geht’s nicht!“, ruft die Frau. „Wir sind keine Elektriker.“, stelle ich klar. „Ihr müsst bei Balzereit klingeln. In der 52. Ich lasse euch rein.“

„Ist das eine Falle?“, flüstere ich im Hausflur. „Du meinst, sie schlägt uns mit bloßen Fäusten K.O., raubt uns aus und kullert uns dann die Treppe runter?“, fragst du. „Blödsinn.“, zische ich. „Siehste.“, kicherst du.

„Na, wer bist du denn?“, ruft die adrett gekleidete Dame, die Ihre Armreifen klappern, als sie den Kragen unserer Hündin grault. „Das ist echt in Ordnung von euch!“, sagt sie, als sie sich wieder aufrichtet und unsere Hündin durch ihre Beine hindurch in der Wohnung verschwindet. „Vor zehn Minuten ist meine Serie losgegangen! Ich verpasse alles! Zum verrücktwerden!“ Aus der Wohnung schlägt uns ein Geruch entgegen, den ich kenne, aber nicht einzuordnen weiß. „Kommt rein!“ „Es ist leichtsinnig von Ihnen, fremde Männer in ihre Wohnung zu lassen.“, sage ich, bevor ich einen Fuß über die Schwelle setze. „Ihr seid doch keine Ganoven, oder? Außerdem habe ich Pfefferspray. Bitte zieht die Schuhe aus.“

Mein Blick fällt auf einen Strauß Trockenblumen auf einem gehäkelten Deckchen. Dein Blick fällt auf einen Glaswürfel auf dem gepolsterten Telefonbänkchen, in welchen die Portraits zweier Kinder gelasert sind. Unsere Hündin steht schwanzwedelnd auf der Türschwelle zum Schlafzimmer. Darin ein hohes blassrosa bezogenes Ehebett, auf dessen rechter Seite sich Decken und Kissen für jede Jahreszeit stapeln.

„Hier entlang, hier lang!“, ruft die Frau und weist uns den Weg ins Wohnzimmer. Wir müssen ein bisschen rangieren, damit wir alle vier Platz darin finden. Die Frau stellt sich vor ihre rotbraune Schrankwand, faltet die Hände vor dem Bauch und richtet ihren Blick erwartungsvoll auf den dunklen Bildschirm. „Der Leonhard wacht doch heute aus dem Koma auf! Und hier ist alles schwarz!“ Ich versuche mich zu erinnern, woher ich diesen Geruch kenne, hier ist er stärker, nicht penetrant, aber unüberriechbar.

„Wie machen Sie ihren Fernseher normalerweise an?“, fragst du. Angesichts der vier abgegriffenen Fernbedienungen auf dem beige gefliesten Couchtisch, halte ich das für eine gute Idee. „Na so!“, ruft die Frau, tritt einen Schritt zurück, schnappt sich eine der Fernbedienungen, richtet sie wie eine Waffe auf den Fernseher und feuert. „Da! Nichts! Schwarz!“ „Hm.“ Du bist ratlos. Ich knie mich vor den Fernseher, um das Fabrikat zu entziffern. Ich vergleiche es mit denen der Fernbedienungen auf dem Tisch. „Wollen Sie jetzt dafür beten, dass es wieder funktioniert?“, lacht die Frau. „Ich versuche es zuerst mit Logik.“, murmele ich. „Oh, ein Studierter!“, lacht die Frau lauter.

Eine Fernbedienung gehört zum Radio, eine zum Receiver der Kabelgesellschaft, eine scheint für Steckdosen zu sein und die vierte kann ich nicht zuordnen. „Wo ist denn die Fernbedienung, die zum Fernseher mitgeliefert wurde?“
„Der wurde nicht geliefert. Mein Mann hat den in den Arcaden gekauft und mit dem Auto her gefahren.“
„Aber es muss doch eine Fernbedienung dabei gewesen sein.“, hake ich nach.
„Müsste eigentlich, oder?“, stimmt die Frau zu und sieht dich hilfesuchend an.
„Ist die Ihnen vielleicht hinter das Sofa gerutscht?“, vermutest du.
„Das Sofa? Nein. Ich sitze im Sessel. Setzen Sie sich doch.“, antwortet die Frau. „Möchten Sie einen Keks?“

Die Beschriftung der Tasten ist nicht mehr zu erkennen. Ich probiere die beiden großen Knöpfe in den oberen Ecken von Fernbedienung Numero vier. Nichts tut sich. Meine Finger fahren den Rahmen des Fernsehers ab. An der Rückseite ertaste ich Knöpfe. Ich drehe den Fernseher etwas aus der Schrankwand und beuge mich in das Fach.

„Also, so habe ich das nie gemacht.“, höre ich die Frau hinter mir. „Ich bin nie in die Schränke gekrabbelt.“ Ich drücke den Einschalter – ohne Ergebnis. Ich verfolge das Kabel des Fernsehers, bis es durch eine Bohrung im Rücken der Schrankwand verschwindet. Mir fällt ein, dass es in der Wohnung unserer Nachbarn genauso roch, am Schluss.
„Sind Sie sicher, dass das Gerät Strom hat?“, frage ich.
„Ich habe alles bezahlt!“
„Vielleicht ist die Sicherung durchgebrannt?“, schlägst du vor.
„Das weiß ich nicht.“
„Wo ist denn ihr Sicherungskasten? Im Flur vielleicht?“

Während du mit der Frau nach verborgenen Klappen in der Holzvertäfelung des Flurs suchst, schalte ich das Radio ein. Die Hündin springt auf und stößt sich an einem Zeitungsständer, als Udo Jürgens grölt: „…und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran, dass ich träume von daheim …“ Ich schalte das Radio wieder aus. Die Hündin dreht sich einmal und legt sich wieder ab.

„Ach lassen Sie doch! Der ist doch tot. Ihr würgt den einfach ab! Pietätlos! Furchtbar!“, ruft die Frau vom Flur.
„Hier ist der Sicherungskasten, Frau Balzereit. Alles scheint in Ordnung zu sein.“, erklärst du.
„Ach Leute, darf ich euch was anbieten? Einen Kaffee vielleicht? Oder ein Bier?“

Erst jetzt entdecke ich die kleine Betriebsleuchte oben in der Mitte der Fernbedienung. Die müsste blinken, wenn man eine Taste drückt. Ich öffne das Batteriefach und nehme die Batterien raus. Sie fühlen sich leer an.
„Haben Sie das jetzt aufgeschraubt?“, fragt die Frau zurück im Wohnzimmer. „Machen Sie das mit Ihren Fingernägeln? Meine splittern wie Glas.“
„Haben Sie Ersatzbatterien im Haus?“, frage ich zurück.
„Ich weiß nicht. Sind die denn leer?“
„Wahrscheinlich.“
„Dann muss ich das meinem Mann sagen. Dann muss der neue Batterien kaufen. Das muss der morgen machen.“
„Bei Reichelt gibt es auch Batterien.“, sage ich. „Ist doch gleich die Straße rüber.“
„Ich weiß doch gar nicht, welche ich kaufen soll.“, wendet die Frau ein.
„Dann nehmen Sie die Alten mit, zum Vergleich.“, schlage ich vor.
„Nein, das macht mein Mann. Der ist fürs Handwerkliche.“, erklärt sie. „Ach, darf ich Ihnen etwas anbieten? Einen Saft vielleicht? Ein Bierchen?“
Wir sehen uns an.

„Wir können Ihnen Batterien mitbringen.“, sage ich. „Wir sind sowieso auf dem Weg in die Stadt.“
„Das würdet ihr machen?“, fragt die Frau.
„Kein Problem.“, sagst du. „Wir nehmen eine alte Batterie mit und heute Abend bringen wir Ihnen neue.“
Die Hündin steht auf und schüttelt sich. Wir verabschieden uns.
„Aber lasst mich nicht so lange warten! Ich muss wissen, was mit Leonhard ist“, ruft sie uns aus dem offenen Fenster hinterher. Wir drehen uns noch einmal um und winken. Die Hündin bellt.

„Warum lässt du Ihren Mann nicht die Batterien besorgen?“, fragst du an der Ampel.
„Sie hat keinen Mann.“, sage ich fest. „Hast du das Bett gesehen? Nur eine Hälfte wird benutzt. Das Schuhregal im Flur? Keine Herrenschuhe. Nicht einmal Pantoffeln. Und am Essplatz am Küchentisch: nur ein Platzdeckchen. Sie ist allein.“
„Aber warum hat sie dann ständig von ihrem Mann gesprochen?“
„Vielleicht hatte Sie mal einen. Vielleicht war ihr das doch nicht geheuer mit zwei fremden Männern in ihrer Wohnung.“
„Vielleicht war sie auch verwirrt.“
„Natürlich war sie verwirrt. Sie trinkt.“
„Was?“
„Zweimal hat sie uns Bier angeboten.“
„Und Kaffee. Und Saft. Und Kekse.“
„Ich rieche das. Dieser süße, leicht scharfe, leicht säuerliche Geruch. Du nicht?“
„Kein bisschen. War doch alles ordentlich. Sie hat auch ganz normal gesprochen.“
„Denkst du etwa, Alkoholiker lallen?“
„Also mir kam sie normal vor.“
„Wenn sie normal wäre, hätte sie ihre Nachbarin gebeten, mal nach dem Fernseher zu sehen. So ganz normal ist es ja nicht, wildfremde Menschen von der Straße in die Wohnung zu rufen, damit sie Elektrogeräte in Betrieb nehmen. Oder?“
Endlich wird grün.

Wir vergessen die Batterien in der Stadt. Auf dem Rückweg kaufe ich vier Stück für 1,79 € bei Reichelt die Straße rüber. Du gehst mit der Hündin nach Hause und willst das Essen vorbereiten. Ich suche Balzereit am Klingelbrett, aber als ich klingele, macht mir lange niemand auf. Ich trete zurück vom Klingelbrett, um zu sehen, ob im Wohnzimmer Licht brennt. Durch das geschlossene Fenster richtet die Frau ihren Finger auf mich. Wenige Sekunden später ertönt der Summer.

Auf dem Treppenabsatz öffnet mir ein Mann. Braune Cordhose, grauer Pullover über dem Bauch, Kinnbart, goldene Brille, Halbglatze.
„Ich bringe die Batterien.“, stottere ich.
„Welche Batterien?“, fragt er.
„Für Ihre Frau.“
„Für meine Frau?“ Der Mann kommt aus der Tür und verschränkt die Arme. „Ihre Frau hatte uns heute Nachmittag gebeten, ihr den Fernseher einzuschalten. Der hat nicht funktioniert, wahrscheinlich, weil die Batterien der Fernbedienung leer sind. Ich habe jetzt neue gekauft.“
„Sie? Wer sind Sie überhaupt?“ Er mustert mich von oben bis unten. „Was soll das für ein Trick sein?
„Kein Trick!“, sage ich genervt. „Wir liefen hier zufällig vorbei; ihre Frau hat uns aus dem Fenster nach oben gerufen. Ist ihre Frau da?“
„Meine Frau schläft. Sie waren also heute Nachmittag in meiner Wohnung?“
„Ja. Aber nur wegen des Fernsehers.“
„Wer ist denn da?“, ruft die Frau von drinnen.
„Ich komme gleich.“, ruft der Mann zurück.
Es riecht nach scharf angebratenem Fleisch und Zwiebeln.

Der Mann streicht sich mit einer Hand durch den Bart, als er sich mir wieder zuwendet. „Wir brauchen keine Batterien, danke.“, sagt er und geht zurück in seine Wohnung.
„Aber ich habe sie extra für Sie gekauft.“, sage ich.
„Gut. Was macht das?“ Der Mann wendet sich ab und sucht in den Taschen seiner Jacke an der Garderobe nach seinem Portmonee. Durch die Glaseinsätze in der Stubentür sehe ich das bläuliche Flackern des Fernsehers.
„Nein, so meine ich das nicht.“, sage ich. „Ich will nur, dass sie die Batterien nehmen; ich kann sie wirklich nicht gebrauchen.“
Der Mann stockt kurz, dann nimmt er seine Hände aus den Jackentaschen und fährt sich rechts und links der Nase unter seine Brille. Mehr zur Garderobe als zu mir sagt er: „Meine Frau – aber das können Sie nicht wissen. Meine Frau hat Probleme.“ Schließlich tritt er doch wieder vor die Tür und zieht sie so weit hinter sich zu, dass sie gerade noch nicht ins Schloss schnappt. Noch immer sieht er mich nicht an. „Meine Frau, wie soll ich sagen, ist ein bisschen-“ Er wedelt mit der flachen Hand vor seiner Stirn. „Verstehen Sie?“
„Trinkt sie?“, frage ich und beiße mir sofort auf die Lippen.
„Sind sie bescheuert?“, fährt er mich an. Erst als er mir in die Augen sieht, bemerke ich, dass er den Tränen nahe ist. Er macht einen Schritt auf mich zu und ist mir plötzlich so nah, dass ich mein erschrockenes Spiegelbild in seinen Brillengläsern entdecke. „Meine Frau ist krank! Psychisch. Man weiß noch nicht, was es ist; die Ärzte sind noch auf Fehlersuche. Sie jedenfalls, Sie haben keine Ahnung!“
Nach einer Pause sage ich leise: „Entschuldigung.“

„Was ist denn hier los?“, fragt die Frau auf der Türschwelle stehend mit einem Bissen Boulette auf der Gabel in ihrer Hand.
„Nichts, Täubchen.“, sagt der Mann.
„Ich bringe Ihnen die Batterien.“, sage ich.
„Und wo ist euer Hund?“, will die Frau wissen. „Euer niedlicher Hund! Ich habe hier Boulette für ihn!“

„Es war sehr nett von Ihnen, dass Sie meiner Frau helfen wollten.“, sagt der Mann freundlich und legt den Arm um seine Frau.
„Gern geschehen.“, sage ich und reiche ihm die Batterien.
„Einen schönen Abend Ihnen.“
„Ihnen auch.“
„Die Boulette!“, ruft die Frau und läuft mir in Socken vier Stufen hinterher, um mir den Bissen von ihrer Gabel in die nackte Hand zu reichen.

Über Fußball am Beispiel des Islam

„Wahnsinn, oder?“, sage ich, als ich die Zeitung aus dem Briefkasten nehme und die Schlagzeile lese.
„Hallo!“, antwortet er und läuft an mit vorbei.
„Was sagen Sie eigentlich dazu?“, frage ich.

Er bleibt auf der Treppe stehen, dreht sich um und sieht mich an. Seine Stirn liegt in Falten, als hätte ich etwas Unverständliches gesagt. Ich blicke wieder auf meine Zeitung und falte sie zusammen. Ich hoffe, dass der Moment schnell vorüber geht. Plötzlich öffnet er mit einem schnalzenden Geräusch den Mund, rollt mit den Augen und wendet sich ab. Ich schließe meinen Briefkasten zu und bin kurz davor, an ihm vorbei die Treppen nach oben zu meiner Wohnung zu flitzen. Da ruft er:

„Sie fragen mich das allen Ernstes?“
„Von Ihrer Großmutter weiß ich, dass Sie erst kürzlich – wegen Ihrer Hochzeit.“
Er schüttelt den Kopf.
„Und ich weiß von meiner Großmutter, dass Sie ziemlich klug sein sollen.“
„Ich stelle mich wohl gerade doof an?“
„Finden Sie nicht?“
Ich presse die Lippen aufeinander und ziehe sie nach innen. Er steigt eine Stufe nach unten auf mich zu.

„Ja, ich bin Muslim. Stimmt, erst seit kurzem. Und wissen Sie, was daran am meisten nervt? Nicht, halal zu leben, also –“
„– auf Schweinefleisch zu verzichten oder auf Alkohol.“, werfe ich schnell ein.
„Oh! Jetzt wollen Sie mich beeindrucken, oder?“
„Immerhin habe ich einen Ruf zu verlieren, wie Sie sagen.“
Er lächelt zum ersten Mal, ich entspanne mich ein bisschen.
„Am meisten nerven die Fragen der Leute!“
„Was fragen die denn?“, traue ich mich.
„Ob ich jetzt fünf Mal am Tag nach Mekka bete. Bevor Sie fragen: Tue ich nicht! Oder ob ich mir jetzt auch so einen Salafistenbart werde stehen lassen. Ja, das probiere ich mal, das ist doch lustig! Meine Friseurin fragte mich neulich sogar, ob ich jetzt beschnitten bin! Das geht sie nun wirklich nichts an. Und Sie auch nicht. Was denken die Leute vom Islam?“ Er streckt beide Hände von sich und zeigt mir seine Handflächen.

„Fragen Sie mich das jetzt allen Ernstes?“
„Allerdings.“
„Ich bin zwar nicht ‚die Leute‘, aber ich würde sagen, die Leute glauben, was sie so hören. Wer kennt schon einen Moslem persönlich?“
„Dann müssen sie sich besser informieren.“
„Das versuchen Sie doch. Sie stellen Ihnen Fragen.“
„Aber schon ihre Fragen sind volle Vorurteile! Der Islam ist nicht blutrünstig und mittelalterlich!“
„So sieht er aber aus, wenn davon die Rede ist. Ständig geht es um Gewalt und Diktatur.“
„Das sind Nachrichten. Nachrichten berichten nur über Katstrophen!“
„Nö, ab und zu auch über Papstbesuche und Arbeitslosenzahlen, die sinken.“
„Außerdem ist das ist Islamismus, über den da berichtet wird. Nicht der Islam!
„Manche können das bestimmt nicht auseinanderhalten.“
„Das ist doch ignorant!“
„Die Spielerinnen der Frauenfußball-Bundesliga finden die Missachtung ihrer Siege auch ignorant.“
„Vergleichen Sie den Islam gerade mit Frauenfußball?“
Ich lache, er lacht.
„Nein. Aber warum sollten sich die Leute für den Islam interessieren? Sie sind einer von zwei Moslems, die ich kenne.“
„Der Islam gehört zu Deutschland! Sagt sogar Ihre Kanzlerin.“
„Die Oranienstraße gehört auch zu Berlin. Trotzdem gibt es dort so gut wie keine Berliner.“
„Nirgendwo kann man so gut und preiswert essen, wie in der Oranienstraße!“
„Ich weiß! Kennen Sie den lauwarmen Glasnudelsalat mit Erdnüssen und Koriander, aus dieser kleinen Garküche –“
„Können Sie es denn auseinanderhalten? Islamismus und Islam?“
„Erklären Sie’s mir.“

„Aber wie?“ Er kratzt sich am Kopf. „Vielleicht mit Fußball. Fußball mögen Sie, oder?“
„Nein.“
„Aber vorhin haben Sie doch über Fußball – ach ja, sie sind ja – sie leben ja –“
„Schwul? Sagt Ihre Oma? Stimmt. Aber Hitzelsperger ist auch schwul. Sie werden nicht bestreiten, dass der sich für Fußball interessiert.“
„Wieso kennen Sie Hitzelsperger, wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren?“
„Wieso kennen Sie Jesus, obwohl sie kein Christ sind?“
„Weil auch die Muslime verehren Jesus. Im Qu‘ran steht, dass Jesus ein Gesandter Gottes war.“
„Oh! Und wird Mohammed auch in der Bibel erwähnt?“
„Das fragen Sie mich? Sie sind doch Christ, nicht ich!“
„Bleiben wir lieber bei Ihrer Erklärung des Islamismus. Von mir aus mit Fußball.“
“Also: Der Islamismus ist für den Islam ungefähr das, was der Hooligan für den Fußball ist. Die Hooligans sind keine Fans. Die interessieren sich gar nicht für Fußball. Die sind nur auf Randale aus. Trotzdem sind sie das Problem der Fußballvereine. Hooligans machen den Ruf der Vereine kaputt. Sie sind schuld daran, dass die echten Fans aus Angst vor Gewalt zu Hause bleiben. Das kann die Vereine in den Ruin treiben! Verstehen Sie?“
„Und was machen die Vereine dagegen?“
„Die Versuchen, die Hooligans loszuwerden. Sie distanzieren sich öffentlich. Sie kooperieren mit der Polizei. Sie starten Initiativen um Jugendliche für den Sport zu gewinnen und nicht für die Randale.“
„Und so macht es der Islam auch?“
„Na klar! Und da sind wir wieder bei Ihrer Frage: Was glauben Sie denn, was ich als frisch konvertierter Muslim dazu sage, wenn Menschen im Namen Allahs erschossen werden?“
„Ich hoffe, dass sie es verurteilen.“
„Natürlich verurteile ich es! Alle Muslime verurteilen es! Alle, die ich kenne.“
„Aber manche erklären in Fernsehmikrofone, dass sie den Zorn der Attentäter verstehen können. Für mich klingt das, als würden sie sagen: Selbst schuld!“
„Ich verstehe den Zorn nicht.“
„Ich erst recht nicht.“
„Ich kenne auch niemanden, der den versteht.“
„Ich schon. Ihre Großmutter. Die sagte neulich beim Kaffeetrinken, dass sie nicht kapiert, wieso man weiterhin versucht, Leuten Witze zu erzählen, die keinen Spaß verstehen. Wer soll denn bitte darüber lachen?“
„Puh! Na so kann man das aber auch nicht sehen.“
„Sie kennen sie ja. Sagen Sie ihr liebe Grüße.“
„Mach ich. Ich bin übrigens Ben.“
„Ich weiß. Ich bin Peter.“
„Ich weiß.“

seewärts

so sehr sehnt sie sich. sommer, sonne, segeljacht.
seelenvergnügt schwimmt sie seemeilen.
seepferdchen, seeräuber, seetang; schön.
sogleich seeluft, salz, sekundenschlaf.
sinkt sie, singt sie seenot schon. schläft sie.
sehnsüchtig schlabbern sechzig seeleute.
seekrank schlürft sie schnell. stoß spreizbeinig.
solches spektakel schimpfen sechs seemänner.
schnauze. schnipp schnapp steuerbord; sternenklar.

Dann bin ich eben ein Nazi

Was ich dich zum Ende unseres Telefonates noch fragen möchte: wen wirst du wählen?

Ach, wieder dein altes Problem. Du überlegt Wochen im Voraus, fragst und bist dir in der Kabine immer noch nicht sicher. Da haben wir Anderen längst per Briefwahl unser Kreuz gemacht.

Naja, ich überlege, weil ich meine Stimme bestmöglich abgeben will.

Was heißt bestmöglich? Wir machen nur nicht so ein furchtbares Gejammer. Ändern können wir doch sowieso nicht viel. Finde dich damit ab.

Finde ich nicht. Ich genieße es förmlich in die Wahlkabine zu stolzieren. Und wenn ich rauskomme, stelle ich mich für ein paar Sekunden vor der Urne auf und werfe meinen Umschlag wie so ein mediengeiler Politiker in die Urne. Unter Honeckers Portrait konnte ich das nicht. Da bin ich gar nicht erst hingegangen.

Ja, und? Die da oben machen doch sowieso alle was sie wollen. Glaub mir, es gibt wichtigere Dinge im Leben als einen verkackten Wahlschein auszufüllen. Heute kann ich wählen gehen oder auch nicht, aber praktisch ist meine Stimme auch ohne Honeckers Portrait für die Katz.

Zumindest kann ich jetzt frei zwischen den aufgestellten Parteien wählen.

Du Träumer. Wer´s glaubt wird selig. Das macht doch keinen Unterschied. Die Sache mit den Ausländern, ich meine mit den Migranten, die getraut sich nur keiner richtig anzusprechen. Wegen dem Dreckshitler scheißen sich doch gleich alle ein. Sobald ein Politiker auch nur ein Wörtchen sagt, wird er von der Presse als Nazi beschimpft. Na und, dann bin ich eben in der Wahlkabine ein Nazi. Ich weiß, dass ich keiner bin. Mit den Morden von damals und so hab ich nichts am Hut. Das ist nun mal geschehen. Aus und vorbei und kommt nicht wieder. Basta.

Ihr macht euch viel zu viel Sorgen. Ein Großteil der Asylanträge werden nach wie vor in Deutschland abgelehnt. Ich verstehe die ganze Aufregung der Leute gar nicht. Der Libanon hat eine Million Flüchtlinge und ist damit wirklich überfordert. Aber wir doch nicht?

Wenn wir nicht aufpassen, wird das bei uns auch ein Problem. Die Parteien hängen doch alle zusammen. Im Endeffekt wollen die doch immer mehr von der Bagage, ich meine von den Migranten, bei uns reinlassen. In meiner Straße gibt´s mittlerweile acht Dönerbuden. Das sieht aus, alles voller Dreck, die Eimer quellen über, und den Gestank kann ich auch nicht mehr ertragen. Meine Lieblingskneipen haben dicht gemacht und ich höre nur noch deren komische Musik. Und wenn ich mal ´was Essen will, muss ich zum Dönerheini gehen. Sonst gibt’s doch nichts mehr in meiner Nähe.

Naja, ich fand es bis jetzt eine Bereicherung. Außerdem fand ich die Grünen bei Migrationsfragen gut. Früher zumindest.

Ich bitte dich! Findest du es gut, dass die Grünen den komplett zugeschleierten Weibern und ihren Machotypen, also deinen lieben, lieben Migranten, alles in den Hals schmeißen wollen? Doppelte Staatsbürgerschaft und so´n Quatsch? Ich habe auch keine doppelte Staatsbürgerschaft. Mir reicht eine. Und auf die bin ich stolz! Egal was die von mir denken! Deine vermummten Migranten können sich doch aussuchen wann, wo und wie sie unsere von der ganzen Welt geachtete Staatbürgerschaft haben wollen. Und wenn sie ihnen nicht mehr passt, wischen die sich den Arsch damit ab. Sind wir den ein Ramschladen geworden?

Für einige bedeutet die doppelte Staatsbürgerschaft aber auch, dass sie in ihrem Heimatland zur Armee gehen müssen. Aber ich gebe dir Recht, dass sie unsere Staatbürgerschaft achten müssen und dass das…

Im Moment findest du die Politik auch nicht mehr gut. Gibt´s doch endlich zu! Ich habe nichts gegen Ausländer, wirklich nicht, aber wenn sie ihre lärmende Bagage aufs Amt hinterherziehen, das geht gar nicht. Wenn ich aufs Amt muss, stellen die Bearbeiter immer neue Forderungen, um an mir Geld zu sparen. Stell dir vor, wenn ich danach ´nen Kaffee trinken gehe, höre ich kaum noch ein deutsches Wort. In der Straßenbahn das Geschrei, das Rumgetrampel der unerzogenen Kinder, einfach kein Benehmen. Und wenn ich was sage, werden die frech. Neuerdings beschimpfen die den Straßenbahnkontrolleur als Nazi. Von wem sie das wohl gelernt haben. Kein Deutsch reden, aber Nazi rufen. Das geht doch nicht. Soweit kommt´s noch, dass ich wegen der Bagage ausländisch lernen muss. Die sollen Deutsch lernen wie wir Anderen auch. Das hat überhaupt nichts mit dem Hitler zu tun. Wirklich nichts. Entschuldigung, aber es ist doch so. Oder?

Mir fallen Sprachen auch schwer. Und die deutsche Sprache soll ja besonders schwer sein…

Ach, denen wird es zu leicht gemacht. Unter dem Deckmantel, wir bräuchten mehr Arbeiter, werden die massenweise ins Land gelockt, vermehren sich zigmal schneller als wir, und wir Deutschen kommen kaum noch nach. Den wird das Kinderkriegen einfach zu leicht gemacht. Die setzen gedankenlos einen Balg nach dem anderen in die Welt und wir müssen sie ernähren. Nee, da muss ich eben ein bisschen dagegen wählen. Das ist mein gutes, demokratisches Recht!

Gegen die Aufnahme politisch Verfolgter bist du doch nicht wirklich. Oder? Das ist ja eine der Lehren aus der NS-Zeit. Naja, und dass die Verfolgten ihre Familien gern bei sich haben wollen, kann ich verstehen…

Keine Frage, ich bin jederzeit dafür, politisch Verfolgten aus den Muschkotenländern Unterschlupf bei uns zu gewähren. Das ist für mich wirklich keine Frage. Aber die sind nun mal Anhänger eines fremdländischen Volkes und wir sind nun mal die Abendländische Kultur. Und das passt überhaupt nicht zusammen. Haben sich die Politiker überlegt, dass wir bei dem Kinderwahn, den die Ausländer hier fabrizieren, irgendwann mal Ausländer im eigenen Land werden? Und das hat doch nun wirklich nichts mit dem Hitler zu tun. Mit dem hab ich nichts zu schaffen. Der ist mir völlig egal. Aber eine Völkerwanderung ´gen Deutschland bringt hier nur Unruhe rein, belastet unsere Sozialsysteme, überfüllt die Schulen und dann, dann haben wir nämlich wieder den Nährboden für den Dreckshitler und sind wieder die Bösen. Nee, auf nen neuen Hitler hab ich keinen Bock.

Statistisch gesehen bekommen die Migranten gar nicht mehr so viele Kinder, zumindest die Migranten der zweiten Generation, die…

Du redest genau so einen Unsinn wie die Anderen. Die wollen alle und jeden reinlassen. Eigentlich willst du dir doch nur nicht eingestehen, dass du mit der Politik auch nicht mehr einverstanden bist. Wir gönnen denen große Moscheen an unseren sauberen Hauptstraßen und wir dürfen in deren Ländern nicht einmal ein Kreuz am Hals tragen, ohne verhaftet zu werden. Findest du das richtig? Ich nicht. Nee, dann bin ich eben ein bissel anders. Das ist mein gutes Recht.

Ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass wir mehr fordern und fördern müssen. Und dass mit den Kreuzen, find ich auch nicht gut. Da muss die Politik irgendwas ändern.

Ach, hör auf! Wenn du mit den Parteien zufrieden wärest, hättest du doch längst gewählt. Ich finde, dass du unehrlich bist. Wenn es jetzt schon soweit kommt, dass die Türken lieber in Deutschland im Knast rumsitzen, als in ihrem Land, muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob wir nicht langsam zu einem Drecksland werden. Denen wird doch ein Flachbildschirm nach dem anderen in die Zelle gestellt und zwischendurch huschen die mal kurz zur Antigewalttherapie. Wir bezahlen denen die sauberen Knastplätze, geben denen ordentlich zu Essen und wenn sie sich den Magen mit ihren Drogen verdorben haben, schicken wir sie auch noch zum Arzt. So gut sind bei denen nicht einmal ihre besten Hotels. Bestimmt hältst du das jetzt wieder für rassistisch. Und mit Hitler hat das auch überhaupt nichts zu tun. Glaub mir, der hätte ganz andere Seiten aufgezogen.

Über die Ausweisung Krimineller habe ich mir auch schon des Öfteren Gedanken gemacht. Das gebe ich zu. Ich finde aber Integration wäre das Schlüsselwort.

Hör auf! Deutsche, die sich nicht benehmen können, würde ich ebenfalls im hohen Bogen rausschmeißen. Aber die können wir doch nicht rausschmeißen, denn es sind ja unsere Deutschen. Aber Ausländer, die sich nicht benehmen, dürfen von meinen Steuern keinen Euro bekommen. Du hast Recht, die müssen sich integrieren lernen. Wir haben uns als Kinder auch Manieren angewöhnen müssen. Und wenn nicht, gab´s eine hinten drauf. Und das hat schließlich noch Niemandem auf der Welt geschadet. Zu DDR-Zeiten wusste jeder wo er hingehört. Und die Ausländer kannten auch ihren Platz. Warum soll das heute nicht mehr funktionieren? Ich frage dich, warum nicht?

Ich kannte zu DDR-Zeiten keinen einzigen Ausländer persönlich, zumindest hatte ich niemals einen angefasst. Komisch. Ich hätte gern mal so einen Schwarzen berührt, einfach nur so. Leider ergab sich nie die Gelegenheit dazu. Weder im Kindergarten, noch auf der Arbeit. Nirgends. Das fand ich später am Westen so toll, dass ich überall zu denen fahren durfte. Und als Deutscher war ich irgendwie beliebt, egal ob ich Ost oder West gesagt habe. Aber ich weiß immer noch nicht, wen ich nun wähle.

Das liegt daran weil wir denen so viel helfen. Das scheint ein urdeutsches Problem zu sein. Und da ist es das Mindeste, dass die etwas Freundlicher zu uns sind. Außerdem bleiben wir doch nur zwei Wochen.

Ich denke, für die Ausländer ist es auch nicht unbedingt einfach, sich in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen und von heute auf Morgen ne neue Kultur zu erlernen. Naja, ich weiß immer noch nicht, wen ich dieses Mal wählen soll.

Das kann ich dir sagen. Suche dir die Partei, die die beste Integration verspricht. Wenn es nach mir geht, dürfte nur noch eine Ausländerfamilie, ich meine natürlich, eine deiner Migrantenfamilie pro Mietshaus leben. Dann ergibt sich der Rest von selbst. Der deutsche Einfluss wäre dann so dominant, dass sie in unserer Sprache mit uns reden müssten, ob sie nun wollen oder nicht. Das hat überhaupt nichts mit Hitler zu tun. Aber da macht keine von den großen Parteien mit. Ich sage ja, die Politik ist absoluter Mist. Und dann wundern die sich, wenn ich Mist wähle. Wenn´s nicht anders geht, bin ich eben ein Nazi.

Aber welche Partei will eine Zwangsassimilierung? Es geht doch anders viel besser. Es werden kostenfreie Kindergartenplätze speziell für Migranten mit Sprachproblemen angeboten. Zwangsassimilierung?

Aber, du musst doch zugeben, dass die sich dann schneller mit unserer wertvollen Kultur vollsaugen und das Rumgeschrei der Bälger und der Burkakram der Weiber endlich von unseren Straßen verschwinden würde. Vielleicht würden die dann auch mal Goethe und so lesen. Schaden kann denen das wirklich nicht.

Denkst du, so können wir die Probleme mit den Ausländern, ich rede ja schon wie du, ich meine natürlich mit unseren Migranten lösen? Witzig fände ich es schon, Goethe auf Arabisch zu hören. Klingt bestimmt schräg. Allein schon wegen der Intonierung.

Du merkst doch selbst, dass die Parteien keine wirklich klaren Ideen haben. Die sehen doch überhaupt nicht mehr durch. Uns entgleitet unsere Kultur Stück für Stück. Und dann haben wir wieder Anarchie im Land. Die sind doch nur neidisch, dass sie meine Stimme nicht bekommen. Das könnte denen so passen.

Das wollte ich dich schon immer fragen: warum wählst du, wenn du, wie du sagst, sowieso nichts ändern kannst?

Weil es mir ein schönes Gefühl schafft, meine Stimme nicht verfallen zu lassen. Und weil ich den Parteien endlich klarmachen will, das sie Mist machen. Ich denke, hier müsste nur für ein einziges Mal die richtige Partei ans Ruder und dann wäre der Spuk schnell wieder vorbei.

Ich weiß nicht. Ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass die Parteien nicht immer ehrlich zu uns sind. Trotzdem glaube ich, ich werde wohl ein letztes Mal Grün wählen.

Du bist zu dir selbst unehrlich. Mit den so genannten Parteien bist du doch schon lange im Clinch und willst es dir nur nicht eingestehen. Es wird Zeit, dass auch du das erkennst. Sonst haben wir Chaos. Und dann geht es deinen Ausländern wirklich schlecht.

Ich kann doch nicht, nur weil ich mit den Parteien derzeit total unzufrieden bin, irgendeinen Quatsch wählen? Also, das kommt für mich nicht in Frage.

Du willst es dir nur nicht eingestehen. Du musst dir nur ein einziges Mal einen Ruck geben. Nur ein einziges Mal.

Wie wirst du wählen?

Ich habe schon gewählt. Die werden sich wundern. Na und, ich war halt in der Wahlkabine anders. Ich bin mit mir im Reinen. Bist du es auch?

Waltraud

+ Barbarusia möchte jetzt mit Ihnen reden +

Wer ist in der Leitung?

+ Auf alle Fragen eine klare Antwort +

Ich bin´s wieder, die Waltraud!

Hallo Waltraud, wie kann ich mit meinen universellen Tiefenkräften behilflich sein?

Ich wollte nach meinem Ältesten fragen… er ist seit über acht Monaten spurlos verschwunden und die Polizei kann ihn immer noch nicht finden. Und da dachte ich… da wollte ich… da möchte ich Sie nochmal bitten, Frau Barbarusia, ob Sie in der Zwischenzeit erfahren haben, ob er lebt, was er macht, ob es ihm gutgeht? Ich meine… ich weiß nicht weiter?

Ja, und was ist jetzt deine Frage, Waltraud? Wohin soll ich meinen engelsenergetischen Strahl schicken?

+ Sie können der Nächste sein. Rufen Sie sofort an +

Frau Barbarusia, richten Sie ihren Strahl zu meinem guten Jungen, ich… ich. Wissen Sie nicht mehr? Frau Barbarusia? Ich bin´s, die Waltraud! Ich habe Sie doch in den letzten Monaten immer wieder angerufen. Ich habe gespart, ich habe alle Sachen, die Sie mir empfohlen haben, gekauft. Alle! Ich habe wieder etwas Geld. Ich mache alles so, wie Sie es gesagt haben.

Ach, du bist´s, meine liebe Waltraud. Ich habe deinen Anruf vorhergesehen, ich wusste, dass du mich heute wieder anrufen würdest. Und deswegen habe ich einen Teil meiner kostbaren Energien für dich zurückgehalten, um sie dir jetzt zu schenken…

+ Barbarusia hilft Ihnen aus ihrer Lebenskrise. Rufen Sie an +

Meine liebe Waltraud, ich habe in den letzten Tagen mehrfach versucht mit deinem Jungen Kontakt aufzunehmen, aber die uritanischen Wolken verschleiern durch einen monofensorischen Einfluss meine Sicht… ich habe wirklich alles versucht, aber die uritanischen Wolken von links, die trisurdischen Gegenschwingungen von rechts, von oben die intergalaktische Fehlwolkenbildung und dazu noch der sehr, sehr kräftige monofensorische Einfluss… naja, Waltraud, da weißt du ja selber…Waltraud, gell, ich schaue jetzt trotzdem nochmal in die hochenergetische Kugel…

+ Rufen Sie an und Barbarusia gewährt Ihnen ein Telefonat ins Jenseits +

Lebt er noch, Frau Barbarusia? Wo ist er? Hat er genug zu Essen? Mir ist ganz schlecht… ich habe wieder die Nacht nicht geschlafen!

Also, Waltraud, soweit ich´s sehe, im Jenseits, im Jenseits ist er jedenfalls n-o-c-h nicht gelandet.

Das können Sie erkennen, Frau Barbarusia? Können Sie mir das versprechen? Stimmt das wirklich?

Ja, Waltraud, seit meinem fünften Lebensjahr sehe ich Verstorbene. Ich bin mit ihnen in reger Verbindung, unterhalte mich mit ihnen, so wie ich mich mit Dir unterhalte. Du hörst mich doch auch Waltraud, oder e-t-w-a nicht…?

Ja, ja, ich höre Sie sehr gut, Frau Barbarusia, sehr gut…

Das ist für mich mit meinen angeborenen transnistischen Engelsenergieströmen ü-berhaupt kein Problem, da mach´ dir mal keine Sorgen, gell´, den Transnismus, den habe ich schon während meiner Geburt in mich eingesogen. Meine Mutter war eine Engelsfrau, also bin ich eine Engelsgeborene, da kann ich auch nix für…also, deswegen kenne ich mich mit dem Jenseits aller-bestens aus, da bin ich sozusagen zu Hause. Im Jenseits, meine liebe Waltraud, ist dein Junge jedenfalls nicht eingegangen, das sagen mir soeben meine befreundeten Engel vom goldenen Tor.

+ Wählen Sie sich in eine der noch wenigen freien Leitungen ein, Barbarusia ist gleich für Sie da +

Wissen Sie, mein Frank ist ein guter Junge, der hat mir in all den Jahren nie Kummer gemacht… über 50 Jahren wohnt er nun schon bei mir. Und seit mein geliebter Mann einfach nicht mehr wieder gekommen ist… und die beiden anderen Jungs…auch sozusagen raus sind… den einen, den darf ich jeden Monat einmal von Amtswegen besuchen und der andere, naja, die Frau hat ihn gegen mich aufgehetzt… seit, seit die beiden anderen Jungs also auch raus sind, da hat doch mein Frank das Zimmer für sich ganz allein und kann sich Nacht für Nacht alle Sendungen von Ihnen angesehen und anrufen. Erst habe ich geschimpft, wissen Sie, ich… wir sind ja eigentlich katholisch… da habe ich geschimpft, weil er sein ganzes, sein sauer verdientes Geld… also das schöne Geld dafür ausgegeben hat. Wissen Sie und jetzt bin ich heilfroh, dass ich Sie über die Lieblingssendung von meinem Frank kennen gelernt habe. Ich wüsste gar nicht… was ich ohne Sie, Frau Barbarusia…

… Waltraud, als deine treue Helferin aus dem Jenseits werde ich jetzt nur für dich nochmal die Erdoberfläche mit meinen hochenergetischen Kristallschwingungen absuchen, vielleicht finde ich ihn dieses Mal. Wenn nicht, musst du wohl noch ein Weilchen Geduld haben und noch eins… zwei… vielleicht auch ein drittes Mal bei mir anrufen. Wie war das den nun am letzten Tag mit euch beiden, Waltraud, erzähl mir mal schnell? Erzähl´ es mir, lass es raus, ich sauge es in mich auf, ich neutralisiere es für dich, meine liebe Waltraud, ich neutralisiere alles was du mir jetzt sagst, al-les!

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Ich habe ihm gesagt, er soll das Radio nicht so laut machen und die Klospülung nicht bei jedem Bisschen benutzen und er soll pünktlich nach Hause kommen. Jedes Mal warte ich an der Tür… Er hat wie immer geschimpft und ist ohne sich zu verabschieden auf Arbeit gegangen, …aber dort ist er nicht angekommen. Und wiedergekommen ist er auch nicht. Frau Barbarusia, ich brate seit acht Monaten jeden Tag sein Lieblingsessen, Bratkartoffeln mit Kümmel und Buletten mit viel Estragon, um mich… wenn er wieder nach Hause kommt, zu entschuldigen. Ich… ich stelle jeden Tag das Essen in den Kühlschrank, und wenn das Kühlfach voll ist, räume ich es…. Ich weiß doch auch nicht, was ich sonst noch machen soll? Frau Barbarusia, er ist doch ein so guter Junge. Wissen Sie, ich bin so froh, dass ich ihn durch die Schulzeit bekommen habe… er hat mir nie, nie Kummer gemacht. Ich bin so froh, dass ich ihn damals aus der Mopedclique bekommen habe, er ist ein guter, ein guter Junge, das mit dem blauen Moped hatte er auch wieder schnell vergessen, Sie wissen doch, die Jungs und ihre Flausen …

Lass die schlechten Energien raus, Waltraud, immer raus damit, ich atme das alles in mich hinein! Lass sie raus, ich neutralisiere das alles für dich, ich neutralisiere die schwarzen Energien aus deinem Körper, ich sauge sie in mich auf, ich mache sie weiß, mache sie schneeweiß, hochweiß, ultraweiß, Waltraud…

Auch die Kleidung lege ich jeden Tag für ihn hin, Frau Barbarusia… und seine fünf Euro spare ich für ihn in seinem Sparschwein. Das Geld kann er nachzählen, das ist alles da. Die zwei Glücksschweine stehen auf seinem Nachttisch, 880 Euro sind zusammengekommen, 880 in Ein-Euro-Münzen. Ich gestatte ihm auch ein Moped, wenn er will… ein Moped wollte er immer… wenn er doch nur wiederkäme, ein Moped, ich habe schon nachgefragt, ein blaues… blau mochte er…

Genau, das meine ich, Waltraud! Da musst du wohl unbedingt g-a-n-z tief in dir nachsehen, da musst du in dich w-e-i-t reingucken, da musst du in dir kom-plett aufräumen, da ist etwas mit euch beiden in eurem schönen Glückshaus passiert, mit eurem Karma, etwas, das so nie-mals mit euch hätte passieren dürfen, verstehst du Waltraud! Da sind Strahlen gebrochen worden. Strahlen… das geht nicht ohne Bruch von Lebenskarma. Kein Wunder, dass es dir schlecht geht. Kein Wunder, dass du nicht schlafen kannst. Das ist alles ü-berhaupt kein Wunder. Wundert mich ü-berhaupt nicht. Aber wir beiden, du, meine liebe Waltraud und ich, wir beiden bekommen das schon wieder in den Griff. I-c-h bringe den Frank zurück und d-u erneuerst in der Zwischenzeit dein zerbrochenes Karma, gell´, meine liebe Waltraud!

Frau Barbarusia, dann bin ich wohl doch an allem Schuld?

Waltraud? Wenn du g-a-n-z tief in dich hineinschaust, dann kennst du die Antwort genau! Das muss ich dir doch nicht sagen, Waltraud. D-u und nur D-u kennst die Antwort! Stimmt´s, Waltraud! Ich empfehle dir dringend eine spirituelle Selbstreinigung mit Kristallquarzpaste, dann siehst du alles unverstellter, klarer, mit gereinigtem Blick. Mit der wertvollen Paste kann ich dir auch zwischendurch aushelfen, wenn du… ich meine… wenn sie dir im Moment fehlt. Ich weiß, du brauchst sie drin-gend. Waltraud, alles kein Problem, wenn du willst, Waltraud, kannst du sie gleich bei mir bestellen, kostet für dich… ich meine wegen der Sache mit dem Frank, fast nichts, für dich so gut wie gar nix. Waltraud, ich bin doch kein Unmensch! Als Engelsgleiche hat Geld für mich sowieso keinerlei Bedeutung, kei-ner-lei Bedeutung!

+ Ihr Schicksal in Barbarusias Händen +

Frau Barbarusia, ich habe mich immer um ihn gekümmert. Ich habe ihm das Essen gemacht, ich habe seine Wäsche gewaschen, sein Zimmer aufgeräumt, jeden Tag ein frisch gebügeltes Hemd über den Stuhl gehängt, täglich eine Schachtel Zigaretten und Kaugummi in die Tasche gesteckt, jeden Tag fünf Euro Taschengeld in geputzten Ein-Euro-Stücken auf seinen Platz gelegt und habe die Brote dick mit Wurst beschmiert und meinen Jungen danach geweckt. Nicht einen einzigen Tag ist er zu spät auf Arbeit gegangen, egal wie lang er sich ihre Sendungen ansah. Dafür habe ich gesorgt. Frau Barbarusia, was habe ich denn verkehrt gemacht? Was? Ich verstehe das alles nicht? Nacht für Nacht stelle ich mir die Fragen, die Sie mir in den letzten acht Monaten gestellt haben. Irgendwann hätte er ein tüchtiges Mädchen mit heimgebracht und wir hätten viele Kinder gehabt. Irgendwann. Manchmal habe ich ihn auch gefragt, warum er keine mitbringt… da hat er dann immer laut reagiert. Ich hätte gewiss gegen ein ordentliches Mädchen überhaupt nichts gehabt, Frau Barbarusia.

Waltraud, du musst g-a-n-z dringend ein spirituelles Sitzbad nehmen, nur dann, und nur dann wird´s besser mit dir und deinem… Wenn ich mich nicht täusche, empfange ich jetzt ganz schwache Signale von deinem, vom…

…von meinem Frank?

Ja, von deinem gu-ten Frank, Waltraud!

+ Hier erfahren Sie die ganze Wahrheit über ihre Sterne +

Was sagt er, Frau Barbarusia? Geht´s ihm gut? Was macht er? Hat er genug zu essen?

Das kann ich nicht sagen, dafür ist das Signal auch dieses Mal zu schwach, Waltraud, was du aber auf jeden Fall drin-gend machen musst, ist eine energetische Vollwaschung, am besten mit Amethrincreme, Bergkristallwasser und doppeltem Alttitansalz. Und nimm dazu meine spezielle Sondermischung Gravitationsstaub! Dann kann nix mehr schiefgehen, überhaupt nix! Meine Mischung wird dir auf dem Weg ins Licht die notwendigen Kräfte bringen. Ich kann dir die kostbaren Sachen besorgen, ü-berhaupt kein Problem. Musst du nur bei mir bestellen. Ich würde dir einfach die doppelte Menge reinpacken, die doppelte, weil ich weiß, dass du im Moment die doppelte Menge brauchst, gell´, Waltraud, einfach das Doppelte reinpacken, das Doppelte, für dich, meine liebe Waltraud, natürlich wie immer für dich zum halben Preis…

+ Keine ungeklärten Fragen – auf alles eine klare Antwort +

….und nachdem, was ich in der Kugel außerdem se-he… meine liebe Waltraud…

Ja, Frau Barbarusia?

… besitzt du bis zum Jahresende den Selbstheilungsmodus. Danach ist der Modus für den Rest des Lebens restlos aufgebraucht. Da brauchst du g-a-n-z dringend das neue Selbstheilungsstarterset, Waltraud, ohne das geht bei dir gar nichts mehr, ü-berhaupt nichts mehr, hörst du ü-berhaupt nichts! Gell´, meine liebe Waltraud. Dann schläfst du auch wieder besser. Das ist alles, alles kein Problem, da würde ich dir etwas abgeben von meinen privaten Reserven, einfach abgeben. Natürlich, nur wenn d-u willst… d-u wirst auch heute wieder bestellen. Ich weiß, d-u machst das! Etwas von meinem Privaten abgeben, Waltraud, gell´, von meinem wenigen Engelskontingent! Gebe ich gern, Waltraud… für dich… wegen Frank!

Frau Barbarusia, wann kommt mein guter Junge den nun zurück?

Die hochfrequenten supraleitenden Schwingungen aus der Kristallkugel lassen nach, aber Frank will, sagt er, dass du weiter für ihn sein Lieblingsessen machen sollst und dass du auf ihn warten sollst. Er sagt, er wird sich bei dir melden, das hat er mir soeben noch gesagt… nicht heute. Wann? Das weiß er noch nicht, aber an eurem Lieblingsplatz wird er sein, an dem ihr so gern gesessen habt, du weißt schon, du sollst in der Zwischenzeit in dich gehen… du weißt warum, sagt er… die Signale werden schwach… er sagt, er ist schon im Licht, er badet im Licht, seine Seele glänzt, er ist in einer glücklichen Situation, er erneuert sich ganzkörperlich… die transnistrischen Schwingungen in meiner Kugel lassen nach, Waltraud, ich kann unseren Energiestrom nicht mehr, nicht mehr aufrechterhalten, tut mir leid… tut mir, tut mir leid… die Verbindung ist abgebrochen… ich hö-re, blau, irgendetwas von einem blauen Fahrzeug…

Ein Moped? Bestimmt ein Moped, Frau Barbarusia, ein Moped, das wollte er schon immer, aber wegen der Prophezeiung, die Sie ihm gegeben haben… da habe ich´s versucht, zu verhindern. Können Sie das verstehen, Frau Barbarusia?

 

… blau, ein blau-es mit viel Chrom, Waltraud, das hat er eben gesagt!

Was sagt er noch! Was sagt mein Frank… an unserem Lieblingsplatz, der Gartenbank? Wann soll ich nochmal bei Ihnen anrufen, Frau Barbarusia? Was brauche ich alles für meine Selbstreinigung?

+ Bitten Sie Barbarusia um ihre kostbare Engelsenergie +

Waltraud, das Selbstreinigungsstarterset schicke ich Dir natürlich so schnell wie möglich zu, ich merke doch, dass du es dringend, g-a-n-z dringend brauchst. Eine kluge Entscheidung! Du spürst genau was du brauchst. Bleib´, bleib´ in der Leitung, wir nehmen nur schnell deine Daten auf. Setz Dich auf die Gartenbank, hat er mir eben noch gesagt, denke an ihn, hat er gesagt, brate Buletten mit ganz viel Estragon, hat er eben gesagt, denke über euch beide nach, du weißt warum. Warte auf der schönen, gemütlichen Gartenbank und kaufe das blaue Moped, kaufe es von seinem Geld, hat er noch zu mir gesagt. Stell´ das Moped neben die Gartenbank und warte, warte auf ihn, warte…dann wird alles gut!

+ Mit Barbarusia zur Reichtumsenergie +

Frau Barbarusia, wann können Sie wieder eine Verbindung herstellen? Geht es gleich jetzt nochmal? Bitte noch einmal!

Die Zeit ist schon wieder vorbei, Waltraud. Tschüssi, meine liebe. Dir alles Gute. Ich hoffe, ich konnte Dir auch heute wieder helfen. Tschüssi. Dir alles, alles Liebe, Waltraud!

+Barbarusia bringt auch Ihnen die Stimmen aus dem Jenseits direkt nach Hause+

Frau Barbarusia… ich bin´s… die Waltraud… Hallo…Hallo, ihre Waltraud, ihre Wal… Wal…?

Mein Hase

Du bist wach. Du bist allein. Du streckst dich. Du öffnest Facebook. Drei deiner Freunde haben ihr Profilbild geändert. Zwei tragen jetzt Mützen. Einer fährt Ski. Ansonsten keine Neuigkeiten. Keine neuen Likes. Keine neuen Nachrichten. Du rollst durch die alten. Alle gelesen. Alle beantwortet. Du checkst deine E-Mails. Zwei Newsletter. Viermal Spam. Du drückst sechs Mal Entfernen. Du öffnest den Chat. Keiner deiner Favoriten ist online. Du hast große warme braune Augen.

Ich reibe den Schlaf aus meinen und krümle die Körner auf den Teppich. Meine Augen brennen. Das ist einfach nicht mein Biorhythmus. Ich greife zu meiner Kaffeetasse. Sie ist leer. Ich müsste aufstehen und neuen Kaffee aufsetzen. Das geht jetzt nicht. Ich will nichts verpassen. Ich schlage mir die Hände ins Gesicht. Ich ohrfeige mich. Adrenalin macht wach. Ich will jetzt wach sein. Du bist wach. Was machst du?

Du greifst zu deinem Telefon. Keine neuen SMS. Keine Benachrichtigungen. Du rollst durch dein Adressbuch. Du könntest jemanden anrufen. Aber wen? Die Hälfte der Leute hat in den letzten acht Wochen keine Rolle in deinem Leben gespielt. Du löschst ein paar von denen. Du blätterst durch deinen SMS-Eingang. Du liest alte Nachrichten. Du löschst ein paar von denen. Du könntest jemandem schreiben. Aber wem? Oder was? Du kaust auf deinen Lippen. Lass das! Du gehst zum Fenster und legst deine Stirn an die Glasscheibe. Was siehst du?

Ich öffne eine neues Nachrichtenfenster und schreibe dir: „Guten Morgen.“ Wen soll ich als Absender nehmen? Ich lasse es. Stattdessen angle ich die letzte Zigarette aus dem Päckchen. Ich muss neue holen. Ich suche mein Feuerzeug. Ich suche den Aschenbecher. Ich habe keinen Kaffee. Ich raste aus. Ich klemme die Zigarette ohne Feuer zwischen meine Lippen. Ich schmecke trotzdem Rauch. Ich sollte lüften. Ich brauche frische Luft. Du brauchst frische Luft.

Du solltest rausgehen. Nimm dein Handy mit. Dann bin ich beruhigt. Es dämmert schon. Du warst noch nicht draußen. Aber es regnet und du willst nicht raus. Du kriegst eine neue E-Mail. Dein Foto-Netzwerk. So gelingen tolle Schnappschüsse bei tristem Frühlingswetter. Du klickst die Benachrichtigung weg. Du steckst dir eine Zigarette an. Du hast noch massig Zigaretten. Feuerzeug und Aschenbecher liegen griffbereit. Typisch für dich. Du atmest weißliche Schwaden aus. Du bist blass wie ein Geist. So gelingen tolle Schnappschüsse vor Ihrem Rechner. Ich möchte auch eine Zigarette rauchen.

Ich lasse meinen Kopf zwischen meine Knie fallen. Mein Rücken schmerzt. Ich finde mein Feuerzeug hinter einem meiner Monitore. Ich finde meinen Aschenbecher unter dem Tisch. Ich muss tagsüber ein paar Minuten eigenickt sein. Ich kann mich nicht erinnern ihn runtergeschmissen zu haben. Ich strecke meine Beine unter den Tisch. Mit den nackten Füßen schiebe ich die Asche zu einem Haufen zusammen. Ich stecke mir die Zigarette an. Der Filter ist schon ganz aufgeweicht. Ich inhaliere. Wir rauchen eine Zigarette zusammen. Ich muss aufräumen. Morgen früh. Wenn du wieder schläfst.

Du gehst zum Kühlschrank. Du kniest Dich davor. Du hast einen schönen Hintern. Du nimmst das Saure-Gurken-Glas heraus. Viel mehr Auswahl ist nicht. Seit einer Woche warst du nicht einkaufen. Mit den Fingern angelst du in der Brühe. Du nimmst eine Gabel aus dem benutzten Geschirr. Du spießt die Gurke auf und isst sie. Du hast Appetit auf Erdnussbutter. Du hast die Erdnussbutter gestern alle gemacht. Du hast keine Vorräte. Nicht mal Nudossi. Null Überblick hast du. Du läufst zur Süßigkeiten-Schublade. Du findest Gummibärchen. Du magst keine Gummibärchen. Du magst jetzt was Richtiges.

Dein Telefon vibriert. Whopper-Menü heute im Angebot. Milchshake für einen Euro. Du hebst die Augenbrauen. Du lächelst. Du drehst dich und kratzt dich am Hals. Du überlegst. Du entscheidest. Du willst ein Whopper-Menü. Du schlüpfst aus deinem Schlafshirt und lässt es auf den Boden fallen.

Ich halte die Luft an. Deine weiße Haut! Deine Schulterblätter! Deine Hüften! Du verschwindest zum Kleiderschrank. Ich raufe mir Haare. Ich muss daran ziehen. Ich brauche einen Reiz. Bitte nimm das rote T-Shirt! Deine Brust in dem Roten T-Shirt! Du kommst mit dem roten T-Shirt zurück. Ja! Es ist soweit. Heute! Du ziehst Dich an. Deine Schenkel! Deine Waden! Ich muss mich anziehen! Deine Hosen sind eng geworden. Dir steht das. Meine Hosen haben Gummibund. Du wirst mich sowieso nicht bemerken.

Du suchst Deine Schuhe. Du findest Deine Schuhe nicht. Ohne Schuhe kannst du nicht raus. Das passt dir gut. Du willst nicht nach draußen. Willst du nie. Aber du bist hungrig. Dann fällt es dir ein. Deine Schuhe stehen vor der Tür. Du hast sie dort stehen lassen. Sie waren nass und schmutzig geworden. Neulich. Meine Schuhe stehen vor dem Bett. Aber ich brauche eine Jacke. Ich kann nicht im Unterhemd vor die Tür. Ich rase durch meine Wohnung und suche meine Jacke. Ich finde sie auf dem Kochfeld. Ich kam hungrig nach Hause neulich und hatte die nasse und schmutzige Jacke vor dem Kühlschrank ausgezogen. Ich schlüpfe hinein. Ich hole meine Schuhe. Ich gehe an meinen Platz um sie anzuziehen. Wo bist du?

Du kommst aus dem Bad zurück und gehst zur Wohnungstür deines Apartments. Du legst dein Auge an den Spion. Du trittst einen Schritt zurück. Du zögerst. Du trittst wieder zur Tür. Du wartest. Du lehnst dich mit dem Rücken an deine Tür und knallst deinen Hinterkopf dagegen. Du ziehst deine Jacke aus. Du kaust an deinen Nägeln. Als wärest du nicht in Sicherheit! Du lässt dich aufs Sofa fallen. Was ist los?

Du schaltest den Fernseher ein. Dein Fernseher hat Zugriff auf dein Netzwerk. Wie ich. Eine dicke Frau legt Karten. Du nimmst dein Telefon aus der Tasche. Du wählst die eingeblendete Nummer. Du willst nach deiner Zukunft fragen? Wie albern! Du hörst sowieso nicht zu! Die Nummer ist besetzt. Du legst auf und stützt den Kopf auf deine Hände.

Du hast Sehnsucht. Ich habe Sehnsucht. Aber du hast einen Vorteil: Dich gibt es. Ich habe auch einen Vorteil: Du bist naiv. Du hättest die Bilder nicht herunterladen sollen. Nicht auf deinen Rechner und nicht auf dein Handy. Man öffnet keine Dateien von fremden Männern. Du wolltest den Mann kennen lernen. Aber so einen Mann gibt es nicht. Jetzt habe ich dich kennen gelernt. Und ich werde Dich treffen. Heute. Ich schalte deinen Fernseher aus. Du staunst. Du nimmst die Fernbedienung in die Hand. Du kratzt dir irritiert dich irritiert hinter dem Ohr. Du siehst niedlich aus. Die liest die schwarze Mattscheibe als Zeichen. Du erinnerst dich an deinen Hunger.

Du kommst zurück zum Schreibtisch und greifst nach deinem Portmonee. Du zählst dein Geld. Es müsste reichen. Findest du auch. Du gehst wieder zur Tür. Du lauschst ins Treppenhaus. Du fährst dir durch deine braunen Locken. Der Hase traut sich nicht aus seinem Bau! Mein Hase! Du schnappst dir den Schlüssel von der Kommode und traust dich doch. Mit einem Ruck öffnest du die Tür. Zügig fällt sie hinter dir ins Schloss. Bravo! Ich brauche noch ein paar Sekunden. Die Stille in deinem Apartment fesselt mich. Ich sehe es so selten leer. Dein Bau.

Ich stürze ins Treppenhaus und haste die Treppen hinunter. Du wirst den Lift nehmen. Dein Weg ist viel kürzer. Du wirst vor mir da sein. Vor der Haustür atme ich kurz durch. Haltung! Am besten die eines Niemand. Ich höre meinen Puls nicht mehr. Ich betrete die Straße. Der Wind kitzelt hinter den Ohren. Ich schüttele mich. Ich reiße mich zusammen. Der Regen platscht mir auf die Kopfhaut. Das ist erniedrigend. Draußen läufst du ganz anders. Deine Schritte sind größer und fester. Dein Gang ist eine Pose. Deine Pose amüsiert mich. Bald bin ich dicht hinter dir. Ich würdige dich keines Blickes. Du öffnest die Tür zum Restaurant. Du hältst sie mir nicht auf. Du würdigst mich keines Blickes. Ich bin dir zu alt und zu dick. Das hast du klipp und klar geschrieben. Warum solltest du mich treffen? Das hast du geraderaus gefragt. Ich hätte keine Chance. Du bist hungrig. Ich bin hungriger. Ich bin cleverer. Du hattest keine Chance.

Du stehst vor mir in der Schlange. Du bist größer als ich dachte. Kräftiger. In der Kapuze deiner Jacke liegen ausgefallen Haare. Ich reiße mich zusammen. Ich trete näher an dich heran. Du suchst nach dem Sonderangebot auf den Angebotstafeln. Der Erfinder des Sonderangebots steht hinter dir. Ich versuche dich zu riechen. Ich rieche Bratfett. Ich trete noch näher. Der Gedanke dich zu riechen erregt mich. Du hast dich heute noch nicht deodoriert. Aber ich muss mich zusammenreißen. Du bist dran. Deine Stimme ist leise und belegt. Ich mag deine Telefonstimme lieber. Du traust dich nicht nach dem Sonderangebot zu fragen. Du kramst umständlich Münzen aus deinem Kleingeldfach. Ein 2-Euro-Stück rutscht dir aus den Händen und fällt auf den gefliesten Boden. Ich könnte mich Bücken und es dir aufheben. Du würdest mich ansehen. Du würdest Danke zu mir sagen. Vielleicht würdest du lächeln. Ich kann nicht.

Du bückst dich und hebst das 2-Euro-Stück selbst auf. Du siehst dich nervös um. Ich richte meinen Blick auf den Boden. Ich atme tief aus. Ich ärgere mich. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Die Verkäuferin fragt „Zum Mitnehmen?“. Du nickst. Sie wirft den Burger und die Pommes in eine Papiertüte. Den Milchshake stellt sie daneben. Sie faltet die Papiertüte zu und schiebt sie über den Tresen. Du greifst danach. Ich sammle mich. Ich atme tief ein. Du drehst dich um und läufst auf mich zu Richtung Ausgang. Ich nehme meinen Mut zusammen. Ich mache einen Schritt in deinen Weg. Deine Schulter stößt gegen meine. Du rempelst mich an. Deine Schulter ist fest. Du riechst salzig. Ich höre meinen Puls wieder. Du bleibst stehen. Du siehst mich an. Du hast verboten große warme braune Augen. Du hebst deine Augenbrauen. Ich reiße mich zusammen. Ich sage Entschuldigung. Du legst die Hand an meinen Oberarm. Ich zucke. Du sagst: „Kein Problem.“ Mir dreht. Die Verkäuferin fragt: „Bitte?“. Ich kann deinen Blick nicht halten und sehe zur Verkäuferin. Du kannst meinen Blickt nicht halten und siehst zur Tür. Ich sage: „Das gleiche nochmal.“ Du läufst los. Zurück in deinen Bau. Ich sehe dir nicht nach. Du gehst. Ich bleibe.

Stoppelmanns Zähne

„Guten Tag!“, sagte sie. Das gehörte zu ihrem Job. Und nur die Besten konnten das so, dass es die Kunden auch glaubten. Sie konnte das, wenn sie etwas gegen ihre Kopfschmerzen genommen hatte. In den sechs Jahren, die sie hier war, hatte sich noch keiner über sie beschwert.

Der Stoppelmann nickte, schwieg aber. Manchmal murmelte er etwas. Aber er sprach nie. Sie mochte ihn, er wusste das. Wann immer sie in einer Kassenbox saß, wenn er alles beisammen hatte, zahlte er bei ihr. Oft wollte sie ihn fragen, wie er heißt, damit sie ihn beim nächsten Mal mit Namen begrüßen könnte. Aber eine Frage von ihr hätte eine Antwort von ihm verlangt. Sie respektierte seine Grenze. Job ist Job.

Dabei meinte sie es gut mit ihm. Sie wollte ihm eine Zahnärztin empfehlen. Eine liebe Omi, zu der sich sogar ihr Vater getraut hatte. Die war ganz vorsichtig und redete nicht viel. Der Vater musste da zwar hundertmal hin, aber danach konnte er wieder ungeniert lachen. Und er hatte doch immer so gern gelacht.

Damit die Zähne schön weiß blieben, würde sie dem Stoppelmann später auch den Trick erklären. Sie hatte ihn von der Frau in der Apotheke. Von der, die ihr immer ihre Kopfschmerztabletten verkaufte. Weil sie so oft in die Apotheke ging, dachte die Apothekenfrau wahrscheinlich, sie wären Freundinnen. Warum sonst hätte sie ihr letzte Woche den Trick verraten? Jedenfalls: Mit dem hätte es ihr Vater geschafft, seine schlechte Angewohnheit zu überwinden. Und der Stoppelmann könnte es so auch schaffen.

Er vertraute ihr. Nur bei ihr kaufte er sechs Schachteln auf einmal. Und bei keiner anderen Kollegin legte er gleich zwei Flaschen Pfefferminzlikör aufs Band. Sie beobachtete das vom Backstand, wenn sie dort aushalf. Selbst bei ihr versteckte er die Flaschen unter einer Zeitung, die sie geschickt nur soweit anhob wie nötig, um die Strichcodes zu scannen.

Stoppelmanns Frau musste auch Kassiererin gewesen sein. Sie musste ihm erzählt haben, wie im Pausenraum über Kunden gesprochen wird. Mit seinen zur Entschuldigung hochgezogenen Schultern bat er sie, kein schlechtes Wort über ihn zu verlieren. Und auch den Ladendetektiv nicht auf seine Manteltaschen anzusetzen. Scharf wie ein Terrier war der. Sie versprach es mit einem Zwinkern. Lang genug, damit er es als verständiges Nicken lesen konnte. Kurz genug, um nicht als Schäkerei missverstanden zu werden. Dienst ist Dienst.

Stoppelmanns Frau war schon ewig weg. Der Länge seiner Haare nach zu urteilen, mindestens drei Jahre. Vor einer Weile hatte er wohl eine Freundin in Aussicht. Da hat er ein paar Mal Pralinen gekauft. Ist aber nichts draus geworden. Jetzt kaufte er wieder Knackwurst. So oder so, ihr war er zu alt. Und außerdem: Einen Mann mit schlechten Zähnen küsst keine Frau gern, auch keinen lieben. Da war sie sich mit ihrer Mutter einig. Obwohl sie einen Ehemann nicht wegen schlechter Zähne verlassen würde, wie ihre Mutter. Dass verspricht man sich doch, wenn man heiratet: dass man sich immer hilft. Sie würde ihren Ehemann einmal gut behandeln.

Als der Stoppelmann plötzlich vormittags zum Einkaufen kam, war ihr gleich klar, dass er bald knapp bei Kasse sein würde. Geld ausgeben in der Zeit, in der andere es verdienen, geht nicht gut. Mit den trockenen Schwielen an seinen Händen verschwanden auch die Euros auf seinem Konto. Sie sah das an seinen Einkäufen. Nudeln, Dosenfleisch, Ketchup.

Wie ungerecht das war! Der Stoppelmann war so fleißig! Wie viele Male war er mit putzverkrusteten Hosen einkaufen gewesen? Die waren bestimmt nicht beim Kaffeetrinken schmutzig geworden. Jeder, der seinen verzerrten Mund sah, wenn er sich den Rucksack mit den schweren Flaschen auf den Rücken wuchtete, musste doch kapieren, dass er nicht mehr als Maurer arbeiten konnte. Mit so einem kaputten Rücken! Als Maurer! Sie hätten ihm eine andere Arbeit geben müssen, im Büro, irgendwas, oder als Anstreicher. Aber nichts!

Vielleicht haben sie ihn auch rausgeschmissen, weil sie dachten, er trinkt. Solche Idioten! Haben die ernsthaft geglaubt, er braucht den Pfeffi, damit es dreht? In der Arbeit? Unter der prallen Sonne? Dummköpfe! Wie soll jemand gerade Mauern hochziehen, wenn er besoffen ist?

Ihr Vater hatte ihr damals erklärt, warum man Pfefferminzlikör trinkt. Aus drei Gründen: Erstens will man den schlechten Geruch überdecken. Kaputte Zähne stinken und man kommt nun mal nicht überall durch, stumm wie ein Fisch. Zweitens will man die Zahnfleischentzündungen desinfizieren. Die heilen nur, wenn sie keimfrei sind. Weiß jeder! Drittens will man, dass es nicht mehr weh tut. Wer mal richtige Zahnschmerzen hatte, weiß, dass man alles macht, um sie loszuwerden. Aber wie sollte sie ihm helfen, wenn sie ihn nicht zum Antworten zwingen wollte? Sie musste nachdenken. Aber ihr Kopf!

Mittlerweile kaufte er die Wurstpackungen mit den roten Sonderetiketten und das geschnittene Graubrot in Plastiktüten. Dabei hatten sie am Backstand in der Filiale jeden Tag eine andere Sorte in der Aktion, die leckerer war als seine. Und gesünder. Und billiger, immerhin 60 Cent. Am liebsten würde sie ihn mal fragen, wieso er das macht. Aber er würde ja nichts antworten. Seine Zähne mussten schlimm aussehen. Sie erinnerte sich an die ihres Vaters. Sie verstand seine Scham. Aber wie ihre Mutter, verstand sie absolut nicht, warum Männer ihr Geld so verplempern.

Als er neulich Schweinelende von der Bedientheke aufs Band legte und Wildlachs aus der Eiswürfelkühlung und den teuren Spreewald-Pfefferminz, wollte sie ihm schon gratulieren, zur neuen Arbeit. Mit einem strahlenden Lächeln, nicht mit Worten, natürlich. Dann aber bemerkte sie den blassen Streifen an seinem Ringfinger. Und als sie sah, dass auch die Silberkette um seinen Hals verschwunden war, wurde sie sauer. Während der Stoppelmann die 12,40 € aus seinem Portmonee kramte, erkannte sie das dünne hellblaue Quittungspapier im Geldscheinfach. Es war vom dicken Pfandleiher am Steinweg. Er gab es aus für die wertvollen Dinge, die er sich borgte und dann verscherbelte.

So ein Mistkerl! Den silbernen Anhänger ihrer Omi hatte er verhökert, obwohl der Vater ihm den nur geliehen hatte. Und auch die Granat-Ohrringe waren futsch, als sie sie am Zahltag abholen wollte. Dem Pfandleiher gönnte sie keinen weiteren Reibach, der war fett genug.

Während sie das Wechselgelt für die 15 Euro abzählte, die ihr der Stoppelmann gegeben hatte, nahm sie ihren Mut zusammen. Sie griff den Kuli für die Kartenzahlungen und riss den Kassenzettel von der Rolle. Auf die Rückseite kritzelte sie:

Frau Dr. Oettmeier
Kurt-Eisner- Ecke Kochstraße
Dienstags ab 8 Uhr.

Zusammen mit den Münzen streckte sie ihm den Zettel entgegen: „Ich möchte, dass Sie heute ihren Kassenbon mitnehmen.“

Der Stoppelmann sah sie aus großen Augen an und nickte. Sie zwinkerte noch einmal. Langsam nahm er den Kassenzettel. Wie sie das freute! Wenn dann bald alles wieder in Ordnung ist, mit seinen Zähnen, würde sie ihn beiseite nehmen und ihm den Trick verraten.

Sie würde sagen: „Und wenn sie morgen früh aufstehen, dann lassen Sie die Flasche Pfefferminz einfach zu. Sie brauchen sie jetzt nicht mehr, mit ihren schönen Zähnen. Also müssen Sie die Gewohnheit loswerden, so sparen Sie viel Geld.“ Sie würde ihm eintrichtern, sich vorzunehmen: „Heute trinke ich keinen Pfefferminz. Nur heute nicht. Morgen darf ich wieder. So viel ich will. Aber heute? Nö, heute will ich nicht. Heute lasse ich es. Wird ja kein Problem sein, es einen Tag zu lassen.“ Und sie würde sagen: „Dann lassen sie es. Verstehen Sie? Sie lassen es! An diesem Tag. Und am nächsten Tag“, würde sie kichern, „Am nächsten Tag machen sie es einfach genauso. Und dann wieder. Und so können Sie sich selbst überlisten. Nach ein paar Tagen haben sie den Likör vergessen. So einfach ist das.“

Der Stoppelmann hatte den Bon gefaltet und sorgsam vor die Quittung des Pfandleihers gesteckt. Als er sein Wechselgeld aus ihrer Hand sammelte, sah sie ihn an. Mit geschlossenen Lippen lächelte er, bevor er seinen Einkaufswagen in Richtung Ausgang schob.

wrocław.

kaum über den fluss hinüber
tauschen wir das wort gegen hand & fuß wie euro gegen zloty.
der wind bläst uns die köpfe frei,
zwischen den schiebetüren läuft der schaffner auf & ab,
locht uns ein in schneelandschaft und ruhige tage.

kilometerweit die spaziergänge am ufer des flusses,
hinweg über stege und zurück auf den asphalt,
stets im ohr das gemurmel der passanten,
das uns fremdsprachig nicht bekümmert und unbeirrt sorglos sein lässt.

sherry (selbstgebrannt), der gelbbraune kachelofen
und so manche hitzige gedanken wärmen unsere durchfrorenen körper.
wir kichern bei polnischenglischen unterredungen mit den einheimischen
& den ansässigen bronzegnomen der stadt.

tag um tag mit piroggen gefüllt unsere bäuche,
die glucksen, wenn wir erschöpft beieinanderliegen & überlegungen anstellen einfach zu bleiben,
hier in wrocław.

Letzte Nacht

„Willst du auch einen?“ Simon kramt in der Nachttischschublade.
„Was?“ Mitri deckt sich zu.
„Kaugummi. Wir können noch einen zusammen kauen, bevor wir auseinandergehen.“
„Keine Zigaretten, wie im Film?“
„Ich rauche nicht mehr.“
„Steht aber noch in deinem Profil.“
„Echt? Ich habe hier noch irgendwo Zigaretten, wenn du magst.“
Simon will aufstehen. Mitri erwischt seine Schulter in der Dunkelheit und hält ihn zurück.
„Ich rauche nicht.“
„Steht aber in deinem Profil.“
„Ich weiß.“
„Und da steht auch, du würdest 90 Kilo wiegen.“
„Du magst kräftige Männer.“
„Aber du bist spindeldürr!“
„Liegen wir deshalb im Stockdunklen? Bin ich hässlich?“
„Nein! Aber warum machst du dich dicker als du bist?“
„If it makes you happy, it can’t be that bad.”
Simon schmatzt. Es riecht nach Pfefferminz.

„Auch das steht anders in deinem Profil, aber:“, Simons Stimme brummt etwas in Mitris Ohren, „Du machst das nicht so oft, oder?“ Simon tastet nach Mitris Kopf und legt ihn auf seine Schulter. „Du warst total aufgeregt. Deine Finger waren eiskalt, dein Mund ganz fest und deine Hüften völlig verkrampft.“
„War ich schlecht?“
„Du warst süß.“ Simon streichelt Mitris Schulter. „Später hat es dir gefallen, oder?“
„Ich war unkonzentriert, anfangs.“
Simon kichert. Mitri legt seine Hand auf Simons Bauch.

„Ich musste an die Meteoriten denken.“
„An was?“
„Heute Nacht wird ein unikaler Meteoritenschauer über Deutschland niedergehen.“
„Unikal? Und das macht dich an?“
Simon legt ein Bein zwischen Mitris Schenkel.

„In Tschebarkul sind im Februar drei Menschen bei Meteoriteneinschlägen drauf gegangen.“
„Drei.“
„Eintausendundvier wurden verletzt.“
„Beulen am Kopf? Blaue Flecken?“
„Den Meisten wurden durch herumschießende Glasscherben die Körper zerschnitten.“

„Und du wolltest es noch einmal krachen lassen, bevor du zerfetzt wirst?“
„Ich wollte meinen Körper benutzen.“
„Fremdbild als Gummipuppe. Wie schmeichelhaft.“
Simon zieht sein Bein zurück und legt seine Hände auf die Decke. Mitri hebt seinen Kopf und schaut dorthin, wo er Simons Gesicht vermutet.

„Ich habe das noch nie gemacht.“
„Noch nie? Wieso jetzt?“
„Ein einziger Meteorit reicht, um diese Stadt dem Erdboden gleich zu machen.“
„Wie in diesen amerikanischen Katastrophenfilmen? Hoffentlich ist mein Kameraakku geladen.“
„Das ist nicht witzig.“

Simon stützt sich auf seine Ellenbogen und wendet Mitri den Kopf zu.
„Die Meteoriten verglühen doch in der Atmosphäre!“ Er singt. „Voila: Sternschnuppen!“
„Eben nicht. Sternschnuppen sind Meteore. Meteore verglühen. Meteoriten sind viel größer. Sie schaffen den Weg durch die Atmosphäre. Heute Nacht kommen Meteoriten. Riesige.“
„Und schlagen ausgerechnet hier ein?“
Mitri zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nicht.“
„Du tust aber so, als wüsstest du es.“
„Je nach Temperatur und Dichte verändert sich beim Eintritt in die Atmosphäre der Winkel ihrer Flugbahn. Niemand kann berechnen, wo sie einschlagen.“
„Haben Sie dich in der Schule oft gehänselt?“
„Wieso?“
Simon lässt sich wieder auf den Rücken fallen. Mitri räuspert sich.

„Die hätten doch Bescheid gesagt, wenn die gefährlich wären.“
„Damit sich die Leute im Keller einschließen?“
„Ja. Zum Beispiel.“
„Das sind keine Hagelkörner. Das sind Meteoriten. Die reißen Krater von mehreren Kilometern. Druckwelle, Staubwolke, tagelange Dunkelheit. Sowas.“
„Aber dann hätten die uns evakuieren müssen!“
„Wohin denn?“
Simon macht eine Kaugummiblase, die ihm klatschend aufs Kinn fällt.

„Die hätten uns trotzdem gewarnt.“ Er kaut wieder.
„Die haben uns gewarnt.“
„Wer?“
„Die ESA. Du liest keine Nachrichten, oder?“
Simon schlägt die Decke zurück und stolpert in die Dunkelheit. Einige Sekunden später erscheint sein Gesicht auf dem Sofa in einem bläulichen Licht.

„Krass.“
„Du vertraust mir nicht.“
„Noch drei Stunden Zeit.“
Ein Metallarmband klappert. „Drei Stunden und sieben Minuten.“
„Deswegen hast du deine Uhr nicht abgelegt.“
„Hat sie dich gestört?“
„Uhren stören immer.“
Simon klappt den Rechner zu. Einige Schritte später zeichnen sich am Fenster über der Stadt die tiefschwarzen Umrisse seines Körpers vor der fastschwarzen Nacht ab.

„Müsste man die nicht schon sehen?“
„Wenn sie in drei Stunden hier sind und mit vierzig Kilometer pro Sekunde auf uns zu rasen, dann sind sie –“, Mitri zählt seine Finger, „Dann sind sie noch circa vierhunderttausend Kilometer entfernt. Soweit reicht dein Auge nicht.“
Simon lacht. „Hast du das jetzt ausgerechnet?“
Mitri setzt sich auf. „Ja. Stimmt es nicht?“
„Keine Ahnung.“

Mitri faltet die Beine zum Schneidersitz und lehnt seinen Kopf an die Wand.
Simon dreht sich um und starrt ins dunkle Zimmer.
„Was machen wir jetzt?“
Mitri zögert. „Noch einmal miteinander schlafen?“
„Spinnst du?“
„Hat es dir nicht gefallen?“
„Nein! Doch!“ Simon zögert. „Ich will nicht, dass du deinen Körper an meinem benutzt.“
„Das war schlecht formuliert, entschuldige.“
„Ich habe auch schlecht formuliert: Ich möchte nicht mit einem Fremden Sex haben, wenn die Apokalypse hereinbricht.“
Simon setzt sich aufs Fensterbrett und zieht die Beine an.

Mitri spricht vom Bett her leise. „Ich bin kein Fremder.“
„Wir sehen uns zum ersten Mal.“
„Aber wir chatten seit mehr als zwei Wochen.“
„Trotzdem.“
„Ich habe deine Handynummer seit neun Tagen!“
„Trotzdem.“
„Du hast mir von deiner Trennung erzählt.“
„Na und?“
„Und dass du viel getrunken hast, danach.“
„Ja, es ging mir schlecht! Ich trinke nicht mehr!“
„Dafür chattest du.“
„Was hat das damit zu tun?“
„Du hast mir Fotos geschickt, von früher. Mit Ex-Mann und Ex-Hund.“
„Ja! Und du hast mir viel von dir erzählt! Deine Jugend in Tscheljabinsk oder –blinsk oder wie auch immer, die Reise hierher, der Typ, der dich dann doch hat Sitzenlassen. Man erzählt sich voneinander, wenn man chattet.“ Simon springt vom Fensterbrett. „Aber das macht uns noch lange nicht zu“, eine Gürtelschnalle klimpert, „Das macht uns noch lange nicht zu Gefährten.“

Simon stürzt im Zimmer umher.
„Was tust du?“
„Ich ziehe mich an.“
„Warum?“
„Ich werde nicht hier sein, wenn ein riesiger Felsbrocken ins Haus kracht. Du übrigens auch nicht.“
„Wo gehst du hin?“
„Ich werde nicht allein auf die Katastrophe warten.“
„Ich bin doch da.“
„Du gehst jetzt.“
Statt aufzustehen greift Mitri nach der Decke und legt sie sich um.

„Wo willst du denn hin?“
„Keine Ahnung.“
„Du musst doch wissen, wo du hin willst!“
„Ich weiß es aber nicht! Raus.“
„Zu deinen Eltern ins Kinderzimmer? Zu deinen Pärchenfreunden in die Besucherritze?“
„Nein.“
„Zu deinen traurigen Singlefreunden auf die Couch? Zur perfekten Familie deiner Schwester?“
„Mann, nein!“
„In die Arme deines Ex‘? Zwischen ihn und den Neuen? In eine Bar?“
Simon schreit: „Ist ja gut!“

Simon tritt dicht ans Bett. Mitri spürt die Wärme seines Bauchs auf den Wangen.
„Und du? Wo willst du sein?“
Mitri flüstert. „Hier.“
„Warum ausgerechnet hier?“
„Ich will nicht alleine sein.“
„Warum ausgerechnet bei mir?“
„Zufall.“
„Lüg mich nicht an.“
„Du warst der einzige, der Zeit hatte.“
„Lüg mich nicht an!“
„Du erinnerst mich an Kostya.“
„Wer ist Kostya?“
„Kostya.“ Mitri schnieft. „Kostya war gut zu mir.“
„Ich bin nicht Kostya!“
„Ich liebe dich.“
Simon stürzt zur Tür und machte Licht. Beide sind geblendet.

„Du kennst mich überhaupt nicht!“
„Das ist egal.“
„Das ist nicht egal. Ich will jetzt bei meinen Leuten sein.“
„Wer sind deine Leute?“
„Menschen, die ich liebe. Menschen, die mich lieben.“
„Ich bin hier.“
Simon setzt sich auch aufs Bett, Mitri gegenüber.
„Aber uns verbindet keine Liebe, kapierst du das?“
„Wo sind deine Leute? Deine Leute sind sonstwo. Ich bin hier.“
„Du bist so schräg!“

„Es ist ganz einfach: Du hast dich gezeigt, ich habe mich gezeigt. Wir haben uns verbunden. Wir sind jetzt, hier, beieinander. Wir wissen nicht, wie viel Zeit bleibt. Wir wissen nicht, was passiert, wenn wir raus gehen. Oder was morgen ist. Aber wir wissen, dass es gut ist, wenn du dich zu mir legst und ich mich an dich schmiege. Bis es wieder hell wird. Falls es wieder hell wird.“
Simon springt wieder auf.

„Ich weiß nicht, was das für dich ist, Stardust – verdammt, ich kenne nicht einmal deinen Namen!“
„Mitri.“
„Dimitri?“
„Mitri.“
„Wie?“
„Egal.“
„Ja es ist egal. Für mich war das ein Sexdate. Kein Wir-werden-eng-umschlungen-von-der-Sonne wachgeküsst, kein Wir-geben-uns-knutschend-dem-Tod-hin, nicht der Anfang einer mehrjährigen Beziehung.“ Simon läuft unruhig im Zimmer auf und ab. Mitri schließt die Augen.
„Trotzdem Liebe.“
Simon schreit. „Du kennst mich nicht. Du liebst mich nicht!“
Mitris Augen bleiben geschlossen. „Wie soll ich dich kennen? Dein Profil ist voller Lügen.“
Simon tritt zum Bett. „Ja! Eben! Und?“
„Deine Nachrichten waren es auch. Von wegen, du schwärmst für Sheryl Crow, wie ich.“
„Tu ich.“
„Du hast vorhin nicht einmal die Top-Zeile aus ihrem Top-Hit erkannt.“
„Wann?“
„Sogar deine Wohnung ist drappiert.“
„Meine Wohnung?“
„In deinem Bücherregal im Flur sind Lücken, in denen kein Staub liegt. Und die Bücher, die du hast stehen lassen, hast du nicht gelesen.“
„Natürlich habe ich das.“
„Niemand hat Ulysses gelesen. Du trägst eine Maske. Und darunter noch eine. Und noch eine.“
Simon packt Mitri an den Schultern „Wie du!“
Mitris Decke rutscht herunter. „Natürlich.“
Simon tritt zurück und kratzt sich am Kopf. „Also?“
„Du bist wie ich.“ Mitri öffnet die Augen. „Darunter.“
„Du bist verrückt!“
„Und du?“
„Ich?“

Mitri legt sich hin und atmet aus.
„Du bist verloren, ich bin verloren.“
Simon steht und schweigt.
„Mach das Licht aus und leg dich zu mir.“
Es donnert in der Ferne.
„Muss ja nicht für immer sein.“

Verhandlungsbasis

Mit einem Tritt gegen das Schienbein wollte ich Heikos Aufmerksamkeit erregen. Als mich Herr Korkmaz erschrocken ansah, begriff ich, dass ich versehentlich ihn unter dem Tisch getroffen hatte. Durch seinen dunklen Schnurbart sahen seine Zähne noch weißer aus. Ich entschuldigte mich lächelnd und rutschte auf dem Stuhl hin und her, als würde ich eine bequemere Position suchen. Innerlich rang ich um Fassung, während Heiko unbeirrt weitersprach. „Dann ist hier die Zulassung. Und hier Ihre Schlüssel. Ihren Ausweis hatte ich Ihnen ja schon zurückgegeben, oder?“

Ich suchte Heikos Blick. Der aber prüfte durch die Gläser seiner Lesebrille mit der Gelassenheit eines Buchhalters ein letztes Mal, ob alle Felder des Vertrages ordnungsgemäß ausgefüllt waren. Ich räusperte mich. Heiko sah auf und lächelte mich an. „Haben wir etwas vergessen?“ „Ich weiß nicht.“, sagte ich, während ich bedeutungsvoll die Augenbrauen nach oben zog. Heiko sah mich fragend an.

„Wenn Ihnen nicht wohl dabei ist, dass wir das Auto schon heute mitnehmen, können wir auch in der nächsten Woche noch einmal vorbeikommen, um es zu holen.“, sagte Frau Korkmaz, nachdem  sie ihre Hand wie eine Freundin auf meine gelegt hatte. Ihre braunen Augen sahen aus wie schmelzende Pralinen. „Aber das ist doch albern.“, sagte Heiko, bevor mir eine elegante Formulierung zur Annahme dieses vernünftigen Angebotes eingefallen war. „Sie können das Auto schon am Wochenende gebrauchen und hier würde es nur herumstehen.“ Mit einem hilflosen „Naja, aber“ leitete ich ein Argument ein, dass mir dann nicht einfiel. Kurz bevor die Stille peinlich wurde, sagte Herr Korkmaz ruhig: „Ich verspreche Ihnen, dass wir das Geld gleich morgen überweisen.“

Weil alle Dokumente unterschrieben und alle Kaffeetassen leer waren, erhoben wir uns und gingen zur Tür. „Ach, holst du bitte noch den Beutel mit dem Eiskratzer, dem Frostschutzmittel und dem Lackstift?“, fragte Heiko. „Wo ist der denn?“, fragte ich nach einigen Sekunden aus dem Arbeitszimmer zurück, in der Hoffnung, dass Heiko mir nach käme und mir einige Sekunden mit ihm allein bleiben würden. „Gleich am Haken hinter der Tür. Du hast ihn doch selbst dorthin gehängt.“ Ich seufzte.

Auf dem Parkplatz drehte Frau Korkmaz eine letzte Runde um unser Auto. Sie klatschte in die Hände und strahlte mich an. „Ach, ich freu‘ mich so!“ „Das freut mich.“, gab ich unbeholfen zurück. „Du fährst, Arslan.“ rief sie ihrem Mann zu, der unseren Autoschlüssel so gekonnt um seinen Zeigefinger kreisen ließ, als wäre es seit Jahren seiner. „Nichts lieber als das!“ Lachend warf er seiner Frau einen Kuss zu.

„Ja.“ Heiko breitete die Arme aus, bevor er die Hände vor seinem Bauch faltete. „Dann wünsche ich Ihnen allzeit gute Fahrt!“ „Ich auch.“, pflichtete ich bei. „Falls etwas sein sollte, irgendetwas, können Sie uns jederzeit anrufen.“, sagte Herr Korkmaz, während er meine Hand schüttelte. Und „Vielen Dank!“, als er die von Heiko ergriff. Seine Frau war schon ins Auto geklettert und flötete mehrmals „Danke!“ und „Tschüss!“ von innen. Herr Korkmaz stieg ein, startete den Motor und verließ die enge Parklücke mit beeindruckender Sicherheit. Kurz bevor er am Ende der Straße abbog, hupte er noch zweimal zum Abschied. Heiko sah mich an und grinste. „Das war ja einfach.“

„Das werden die sich auch denken“, fauchte ich.
„Wieso?“, fragte er arglos.
„Bist du verrückt geworden? Die haben unser Auto! Wir haben nichts! Außer 10.000 Euro Schulden!“, rief ich.
„Aber die überweisen doch gleich morgen.“, wandte Heiko ein.
„Das haben sie gesagt! Was aber, wenn sie es nicht tun?“
„Ich vertraue denen.“, sagte er nachdenklich. „Du nicht?“
Schweigend stapfte ich durch den Schnee zurück zum Haus.

„Wieso hast du nichts gesagt, wenn du ein schlechtes Gefühl hast?“, fragte Heiko.
„Das wäre so unhöflich gewesen!“, antwortete ich. „Ich will nicht, dass die denken, ich denke schlecht über sie.“
„Tust du aber.“, grinste er.
„Überhaupt nicht.“
Heiko runzelte die Stirn. „Und worüber diskutieren wir dann?“
Ich stützte die Hände in die Hüften. „Wir haben den ganzen gestrigen Tag damit verbracht, im Internet über privaten Autoverkauf zu recherchieren. Wir haben diese goldenen Regeln gefunden. Und die wichtigste gebrochen: Ware gegen Geld! Dabei warst Du doch derjenige, der auf die Warnungen vor arabischen Autohehler-Ringen gestoßen ist!“
„Das waren doch aber keine Araber, sondern Türken.“, entgegnete er verständnislos.
„Nein, das waren keine Türken sondern Deutsche. Deutsche Personalausweise. Du hast sie selbst abgeschrieben.“, berichtigte ich.
„Die hatten ja auch überhaupt keinen Akzent.“, ergänzte er.
„Stimmt.“
„Na also.“, versuchte er mich zu beruhigen. „Dann gibt’s auch kein Problem.“

„Aber woher wissen wir denn, dass die Ausweise echt waren?“, wandte ich ein.
„Die sahen echt aus.“, entgegnete Heiko.
„Kennst du dich aus mit gefälschten Dokumenten?“
„Kein bisschen.“  Heiko kratzte sich am Kopf.
„Siehste!“, triumphierte ich.
„Aber mit Menschen“, fuhr er fort, „und das waren gute.“
„Das ist lächerlich!“, winkte ich ab.
„Nein, das ist Menschenkenntnis.“, zischte er.

„Was, wenn das Profis waren? Die kreuzen hier auf als perfektes Ehepaar, leiern uns lächelnd Schlüssel und Zulassung aus den Rippen und sind in diesen Minuten mit Vollgas unterwegs nach Polen, wo sie die alte Fahrgestellnummer abschleifen lassen!“, fantasierte ich.
„Du spinnst doch!“, sagte Heiko. Und dann lange nichts mehr.

Wir saßen uns an unseren Schreibtischen gegenüber und lasen uns stundenlang stumm durchs Internet. Auf dem Weg zum Fenster warf ich einen Blick auf Heikos Bildschirm. In mehreren Registerkarten suchte er nach Ayşe und Arslan Korkmaz.

„Ach.“, entfuhr es mir zynisch.
„Was?“, knurrte er mehr, als dass er fragte.  „Du hast ja recht.“, sagte er dann. „Das war ziemlich dämlich von uns.“
„Nein, du hast recht.“, gab ich zu. „Das waren keine Betrüger.“
„Es gibt jedenfalls eine Ayşe Korkmaz an der Charité.“, berichtete er. „Und einen Arslan Korkmaz in diesem Jugendzentrum auch.“
„Na also.“ antwortete ich beruhigt. „Wenn sie wirklich Ärztin ist und er wirklich Sozialarbeiter, dann sind es ehrliche Leute.“
„Ja, wenn.“, zweifelte Heiko. „Die können ja auch googeln. Von dieser Ayşe gibt es hier sogar einen Lebenslauf. Vielleicht hatte die Dame, die vorhin bei uns am Wohnzimmertisch saß, den nur auswendig gelernt.“
„Gibt es denn kein Foto?“,  wollte ich wissen.
„Eben nicht.“, antwortete er. „Auch von ihm nicht.“
„Du meinst, die haben sich die Identitäten aus dem Internet gesucht? Damit wir sie finden, wenn wir nach ihnen suchen?“, staunte ich.
„Kann doch sein.“, sinnierte er. „Was weiß denn ich, wie gut die Dokumentenfälscher in den anatolischen Hinterzimmern heutzutage sind! Die Ausweise jedenfalls beweisen gar nichts.“
Ich blies die Backen auf.

„Wollen wir mal die Handynummer anrufen, die sie uns gegeben haben?“, fragte ich.
„Und was sagen wir, wenn sie abnehmen? Dass wir nur mal checken wollten, ob sie keine Verbrecher sind?“ Heiko seufzte. „Das geht nicht.“
„Wir könnten ja unsere Nummer unterdrücken und gleich wieder auflegen.“, schlug ich vor.
Heiko schüttelte den Kopf. „Das ist armselig.“
„Stimmt.“, nickte ich. „Wir warten.“

Für den Rest des Tages mieden wir das Thema. Am nächsten Tag führte uns der Heimweg vom Einkauf am leeren Parkplatz vorbei. Mitten ins Schweigen klingelte mein Telefon.

„Herr Saltz, sind sie es?“, fragte eine freundliche Frauenstimme.
„Ja.“ Ich blieb stehen.
„Hallo, hier ist Ayşe Korkmaz. Ich habe es schon auf dem Telefon Ihres Mannes versucht, aber der ist seit Stunden nicht erreichbar.“
„Wir sind unterwegs.“ erklärte ich verdutzt. „Er hat sein Telefon Zuhause liegen lassen. Tut mir leid.“
„Kein Problem.“, antwortete sie. „Ich wollte nur schnell nach einer E-Mail-Adresse fragen, an die ich den Überweisungsbeleg mailen kann. Wenn wir ihn in Ihr Büro faxen, haben Sie ihn ja erst morgen.“
„Oh, das, das würde uns aber völlig reichen, machen Sie sich keine Umstände“, stammelte ich.
„Gut, dann machen wir es so.“, gab sie fröhlich zurück.
„Gut.“, antwortete ich.
Es vergingen einige Sekunden.

„Ach, und, Herr Saltz?“
„Ja.“
„Was halten Sie davon, wenn wir uns nächsten Sonntag treffen? Mit unseren Kindern und ihrem Hund? Wir könnten einen Spaziergang durch den Mauerpark machen. Und danach könnten wir noch einen Kaffee bei uns trinken. Mein Mann macht den besten Apfelstrudel der Stadt.“
Ich schluckte und spürte, wie ich rot wurde.
„Herr Saltz? Sind sie noch dran?“, fragte sie verunsichert.
„Ja, natürlich.“, entgegnete ich schnell. „Ich habe nur kurz nachgedacht, ob uns nächster Sonntag passen würde.“
„Und?“ Ich hörte, wie sie lächelte.
„Nächster Sonntag passt prima.“